Einfluss von Mistelextrakt auf das Tumoransprechen während einer neoadjuvanten Chemoradiotherapie bei Rektumkarzinomen: eine Kohortenstudie

Baek et al. 2021 [318]

Patient*innen und Methodik

In diese retrospektive Beobachtungsstudie wurden 52 Patient*innen mit klinisch gesichertem Adenokarzinom des Rektums im Stadium II-III, die zwischen Januar 2018 und Juli 2020 in einem Referenzkrankenhaus in Korea mit einer Langzeit-neoadjuvanten Chemoradiotherapie (NCRT) behandelt wurden, eingeschlossen.

Ergebnisse

Von den 52 Patient*innen wurden 37 nur mit NCRT behandelt und 15 Patient*innen erhielten zusätzlich den Mistelextrakt abnobaVISCUM quercus, der dreimal wöchentlich in einer sich steigernden Dosis von 0,02 mg zu Beginn bis maximal 20 mg subkutan verabreicht wurde. Das mediane Alter der Patient*innen betrug 68 Jahre und die Studiengruppe umfasste 35 Männer und 17 Frauen. In der Gruppe mit zusätzlicher Misteltherapie konnte eine signifikant höhere Rate kompletter Remissionen (53,3% vs. 21,6 %, p = 0,044) bzw. ein signifikant höheres Downstaging (86,7% vs. 56,8%, p = 0,040) im Vergleich zur Gruppe mit NCTR alleine festgestellt werden.

Fazit

Die NCRT in Kombination mit Mistelextrakt führte bei Patient*innen mit Rektumk-Karzinomen zu einem besseren Tumoransprechen als die konventionelle Chemoradiotherapie alleine. Dennoch sind weitere prospektive randomisierte Studien zur Bestätigung der Wirksamkeit erforderlich.

 

Wirksamkeit und Sicherheit einer postoperativen Misteltherapie bei Patienten mit primärem nicht metastasierendem kolorektalem Karzinom – eine multizentrische, komparative, epidemiologische Kohortenstudie

Friedel et al. 2009, Zänker et al. 2012, Bock et al. 2014 [42, 103, 104]

Es handelt sich um drei Veröffentlichungen einer Studie, die unter verschiedenen Aspekten in mehreren wissenschaftlichen Journalen publiziert wurde. 

Patient*innen und Methodik

In dieser nach GEP-Richtlinien (Good Epidemiological Practice) durchgeführten multizentrischen, kontrollierten, retrospektiven, epidemiologischen Kohortenstudie wurde die Wirksamkeit einer Misteltherapie überprüft. Eingeschlossen wurden 804 Patient*innen mit primärem, nicht metastasiertem kolorektalem Karzinom der UICC-Stadien I bis III aus verschiedenen Zentren in Deutschland und der Schweiz. Geprüft wurden die Häufigkeit der durch die Chemo-/Radiotherapie bedingten Nebenwirkungen sowie die Persistenz krankheits- und therapiebedingter Symptome in der Misteltherapiegruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Ebenso erhoben wurden der Karnofsky-Index, die Dauer des Krankenhausaufenthaltes während des Beobachtungszeitraums sowie das tumorfreie Überleben (DFS). 

429 Patient*innen erhielten den Mistelextrakt Iscador M oder Qu s.c. als Teil einer supportiven Langzeittherapie nach der Operation zwei- bis dreimal pro Woche zusätzlich zur konventionellen Chemo- und/oder Radiotherapie oder in der onkologischen Nachsorge. 

Von der per-Protokoll-Analyse aus der Verumgruppe wurde zusätzlich eine Untergruppe mit 106 Patient*innen ausgewertet, die einen Extrakt aus der Eichenmistel erhielten. Die 375 Patient*innen aus der Kontrollgruppe wurden nur mit konventionellen Therapien behandelt oder erhielten nur eine Nachsorge ohne weitere Medikation.

Der mediane Beobachtungszeitraum betrug 58 Monate in der Misteltherapiegruppe und 51 Monate in der Kontrollgruppe. Die mediane Dauer der Misteltherapie lag bei 53 Monaten. 

In einer zweiten Analyse wurden Patient*innen des Studienkollektivs ausgewählt, die zu Studienbeginn ein tumorbedingtes Fatigue-Syndrom entwickelt hatten. Es konnten 143 Patient*innen ohne und 181 mit additiver Misteltherapie eingeschlossen werden. 

Ergebnisse

Die Patient*innen in der Misteltherapiegruppe zeigten signifikant weniger durch Chemo- und/oder Radiotherapie bedingte Nebenwirkungen als die Kontrollgruppe: Nur etwa 19 Prozent der Patient*innen in der Mistelgruppe entwickelten diese Nebenwirkungen, in der Kontrollgruppe traten sie dagegen bei fast 50 Prozent der Patient*innen auf. 

Die Subgruppenanalyse von 106 Patient*innen zeigte einen noch größeren Unterschied. So entwickelten nur 7,5 Prozent in der Iscador Qu-Gruppe diese durch Chemo-/Radiotherapie bedingten Nebenwirkungen im Vergleich zu fast 50 Prozent in der Kontrollgruppe.

Die Patient*innen mit zusätzlicher Misteltherapie entwickelten auch weniger krankheits- und therapiebedingte Symptome wie Übelkeit oder Erbrechen, Appetitlosigkeit, Depressionen, Fatigue, Reizbarkeit oder Abgespanntheit, Schlafstörungen, Mukositis oder Hautreaktionen. Auch der Karnofsky-Index verbesserte sich in der Misteltherapiegruppe signifikant (p < 0,001). Die Leistungsfähigkeit der Patient*innen in der Misteltherapiegruppe erhöhte sich während des ersten Chemotherapie-Zyklus kontinuierlich und signifikant auf 86,8 Prozent und steigerte sich nach der Chemotherapie sogar auf 93,7 Prozent. Im Gegensatz dazu zeigte die Kontrollgruppe nach dem ersten Therapiezyklus einen leichten Leistungsabfall, der dann nach der Therapie fast wieder den Ursprungswert von 84,6 Prozent erreichte.

Auch die Krankenhausaufenthaltsdauer war mit durchschnittlich 35,5 Tagen in der Misteltherapiegruppe deutlich kürzer (p = 0,015) als in der Kontrollgruppe, die durchschnittlich 41,2 Tage im Krankenhaus verweilte. 

Darüber hinaus wurde ein Vorteil beim tumorfreien Überleben (DFS) beobachtet. So betrug die adjustierte relative Hazard Rate (adjusted hazard ratio, HR) für das DFS in der Misteltherapiegruppe 0,68 (0,51-0,92, p = 0,013), was einer signifikanten Reduktion des geschätzten relativen Risikos um etwa 32% und einer Senkung der Rezidivrate um etwa ein Drittel entspricht.

Zur Prüfung der Therapiesicherheit wurden die durch Misteltherapie bedingten unerwünschten Arzneimittelwirkungen beurteilt. Zehn Patient*innen (2,3%) reagierten mit systemischen Nebenwirkungen wie Schwindel, Abgeschlagenheit, Depression, Tinnitus, Übelkeit, leichtem Fieber oder Juckreiz. Alle Nebenwirkungen waren leicht bis mäßig (WHO/CTC Grad 1-2). Fünf Patient*innen brachen die Therapie wegen dieser Nebenwirkungen vorzeitig ab. Ein*e Patient*in zeigte eine akute allergische Reaktion.

Bei 100 Patient*innen (23,3%) traten Lokalreaktionen wie Indurationen, Erytheme, Juckreiz oder Ödeme um die Einstichstelle herum auf, die stets leicht bis mittelschwer ausfielen und wieder vollständig abklangen. Lebensbedrohliche Nebenwirkungen kamen nicht vor.

Von den 143 Patient*innen, die keine Misteltherapie erhielten, litten am Ende der Beobachtung noch 86 am tumorbedingten Fatigue-Syndrom. Im Gegensatz dazu zeigten von den 181 Patient*innen, die eine Misteltherapie erhielten, nur noch 16 Patient*Innen am der Ende der Beobachtung diese Symptomatik. 

Fazit

Diese Studienergebnisse belegen, dass eine Misteltherapie ergänzend zur konventionellen onkologischen Basisbehandlung die durch diese Therapien bedingten Nebenwirkungen deutlich verringern und einen Beitrag zur Verlängerung der Überlebenszeit leisten kann. Außerdem stellt die Misteltherapie eine gut geeignete Maßnahme dar, um das tumorbedingte Fatigue-Syndrom zu reduzieren.

 

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