Die Mistel in Kombination mit anderen Therapien

Eine Misteltherapie kann schon vor der Operation beginnen oder parallel mit anderen Therapien erfolgen. Wenn Sie schon vor der Operation damit anfangen, sollten Sie die Injektion nicht in den Bereich des Operationsfeldes setzen, um dort keine Lokalreaktion hervorzurufen. Auch bereits vorhandene Narben sollten Sie aussparen. 

Mehrfach wurden seitens der konventionellen Onkologie Befürchtungen laut, dass die Mistel den Abbau von Zytostatika beschleunigen und somit die Wirksamkeit einer Chemotherapie beeinträchtigen könnte. Dieses Phänomen ist von anderen pflanzlichen Substanzen bekannt (z. B. grünem Tee, Kurkuma oder Grapefruitsaft). Diese aktivieren einen Eiweiß-Komplex in der Leber (Cytochrom P450), der für den Abbau von Giften und Schadstoffen zuständig ist. Das könnte die Wirkdauer einer Chemotherapie verkürzen und ihre Wirksamkeit schmälern. Mehrere Studien zeigen jedoch: Bei der Mistel ist dieses Phänomen nicht relevant. Sie beeinträchtigt die Wirkung einer Chemotherapie nicht, sondern macht diese eher noch besser verträglich und kann ihre Wirkung damit unterstützen und verstärken. 

In der präklinischen Forschung ließ sich beobachten, dass die Mistel die Erbsubstanz (DNS) von Zellen davor schützen kann, von Zellgiften geschädigt zu werden. Dieser Vorgang der DNS-Stabilisierung ist aber nur für gesunde weiße Blutkörperchen (Lymphozyten) gezeigt worden. Bei Krebs-Zelllinien ließ sich dieser Effekt nicht beobachten. Wahrscheinlich stabilisiert die Mistel also gesunde Zellen und schützt sie so vor den Einflüssen der Chemotherapie, während die ohnhin schon recht instabilen Krebszellen dafür angreifbar bleiben.

Wenn eine Misteltherapie parallel zu einer Chemotherapie gegeben wird, sollte der Mistelextrakt so dosiert werden, dass kein Fieber auftritt. Denn es ist kaum möglich zu unterscheiden, ob die Körpertemperatur aufgrund der Misteltherapie ansteigt, oder ob das Fieber ein Hinweis auf eine Infektion ist, die bei einer Chemotherapie aufgrund des unterdrückten Immunsystems entstehen kann und dann immer ein Alarmzeichen darstellt. 

Die Misteltherapie beeinflusst auch andere Krebstherapien nicht negativ – im Gegenteil. Das gilt sowohl für antihormonelle Substanzen, die vor allem bei Brustkrebs eingesetzt werden (z. B. Tamoxifen, Anastrozol), aber ebenso für eine Antikörpertherapie (z.B. mit Trastuzumab, Pertuzumab) als auch die modernen zielgerichteten ("Targeted"-)Therapien, z. B. mit Immuncheckpoint-Inhibitoren. Zu letzteren gehören monoklonale Antikörper wie z. B. Ipilimumab und Nivolumab. 

Es hat sich gezeigt, dass eine Misteltherapie die Wirkung dieser Arzneimittel nicht abschwächt, sondern eher sogar noch dafür sorgen kann, dass die erforderliche Dosis eingesetzt und damit die Behandlung noch wirksamer werden kann – die Misteltherapie kann die unerwünschten Wirkungen dieser Medikamente abmildern, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen. 

Auch mit Bestrahlungen kann die Misteltherapie gut kombiniert werden. Es ist lediglich darauf zu achten, dass die Mistelinjektion nicht im Bestrahlungsfeld oder in dessen Nähe erfolgt, weil sich die Haut dort sonst stark entzünden kann. 

Gut kombinierbar

Alle Studien zeigen, dass die Mistel die unerwünschten Wirkungen verschiedener konventioneller Krebstherapien abmildern kann. Das gilt sowohl für eine Chemotherapie als auch für die modernen zielgerichteten ("Targeted-")Therapien oder die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern (bei Brustkrebs z. B. mit Trastuzumab, Handelsname Herceptin). Die Mistel kann deren Nebenwirkungen abschwächen, ohne ihre Wirksamkeit zu beeinträchtigen. 

Die Mittel der Natur nutzen!

Viele komplementärmedizinische Therapien haben sich gerade in der onkologischen Nachsorge bewährt: vor allem Wickel und Auflagen, wenn es darum geht, Wärme zu vermitteln oder entzündete Hautstellen zu beruhigen. Bei einer Strahlentherapie reagiert z. B. die Haut besonders empfindlich, dann sind Umschläge mit beruhigenden Substanzen wie Extrakten aus der Ringelblume (Calendula) sinnvoll. 

Bei einer subcutanen Misteltherapie (Spritzen unter die Haut) sollte möglichst kein Fieber (über 38 °C) auftreten. Der Grund: Während einer Chemotherapie gilt Fieber immer als Alarmzeichen dafür, dass das Immunsystem "in die Knie" geht und bedrohliche Infektionen auftreten können. Es ist kaum möglich zu unterscheiden, ob das Fieber durch die Misteltherapie auftritt und unbedenklich ist, oder ob es eine gefährliche Infektion anzeigt. Von diesem Prinzip sollte nur in Einzelfällen und enger Absprache mit dem behandelnden Onkologen abgewichen werden.

Bei der Strahlentherapie kommt es lediglich darauf an, die Mistel nicht in den bestrahlten Körperbereichen zu injizieren, weil diese sich sonst stark entzünden könnten. Auch im Bereich des Operationsfeldes sollte nicht gespritzt werden, um die Wundheilung nicht zu beeinträchtigen. An bereits vorhandene Narben sollte die Mistel nicht injiziert werden.

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

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