Misteltherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Zum Einsatz der Misteltherapie bei dieser Krebsart gibt es mehrere Studien, die deutlich zeigen, wie sinnvoll und nützlich eine Misteltherapie gerade bei dieser Tumorart sein kann. Eine Studie mit 201 Patient*innen aus mehreren Zentren in Deutschland und der Schweiz zeigte, dass die Misteltherapie in allen Tumorstadien dafür sorgt, dass weniger durch die übliche Chemotherapie bedingte Nebenwirkungen auftreten, ebenso weniger krankheitsbedingte Symptome. Der Allgemeinzustand war besser, die Patient*innen lagen nicht so lange im Krankenhaus, und es bestand eine signifikant höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als bei den Patient*innen in der Kontrollgruppe ohne Mistel. Bei wissenschaftlichen Informationen haben wir die Ergebnisse dieser Studie genauer dargestellt. 

Besonders bemerkenswert ist jedoch eine Studie, deren Ergebnisse zur Überlebenszeit im European Journal of Cancer und zur Lebensqualität im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurden. Es handelt sich um eine prospektive, offene, monozentrische, gruppensequenzielle, randomisierte Phase-III-Studie, in die zwischen Januar 2009 und Dezember 2010 insgesamt 220 Patient*innen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs aufgenommen wurden. Bei ihnen war keine Operation möglich und sie kamen auch nicht für eine Chemotherapie mit Gemcitabin, dem Standard-Medikament bei dieser Krankheit, in Frage. Nicht aufgenommen wurden Patient*innen mit einer Lebenserwartung, die unter vier Wochen lag. Die eine Gruppe der Patient*innen erhielt eine Misteltherapie, die andere Gruppe nicht.

Die Patient*innen in der Mistelgruppe bekamen das Präparat Iscador® Qu in ansteigender Dosierung von 0,01 Milligramm bis zu 10 Milligramm dreimal in der Woche unter die Haut gespritzt. Beide Patient*innengruppen erhielten ansonsten eine unterstützende Behandlung im Sinne einer "best supportive care", einer bestmöglichen Pflege. 

Der primäre Endpunkt für die Studie war das 12-Monats-Überleben. Aufgenommen werden sollten insgesamt 434 Patienten. Als sekundäre Fragestellungen sollte die Lebensqualität sowie die Sicherheit der Therapie untersucht werden. 

Eine Zwischenauswertungen nach Aufnahme der Hälfte der angestrebten Patient*innenzahl zeigte, dass die Misteltherapie einen so deutlichen Vorteil für das Überleben der Patient*innen ergab. In der Folge empfahl das wissenschaftliche Gutachtergremium, das die Studie begleitete, die Studie abzubrechen, weil es dessen Meinung nach ethisch nicht mehr zu rechtfertigen war, die Mistel den anderen Patient*innen vorzuenthalten.

Die Ergebnisse waren tatsächlich überzeugend: In der Mistelgruppe betrug die mediane Überlebenszeit 4,8 Monate gegenüber 2,8 Monate bei den anderen Patienten, also fast das Doppelte. 

Gezeigt hat sich auch, dass die Patient*innen in der Mistelgruppe eine deutlich bessere Lebensqualität aufwiesen, vor allem im Hinblick auf Schmerzen, Fatigue, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit. 

Die Einwände – und was die Autoren dazu sagen

Von schulmedizinisch orientierten Ärzt*innen wird der Wert und die Aussagekraft dieser Studie immer wieder massiv angezweifelt. Hier die wichtigsten Einwände und was die Autoren dazu sagen: 

Einwand: Die Studie sei nicht verblindet (weder Ärzt*innen noch Patient*innen wissen, wer das Mistelpräparat bekommt und wer nicht) und nicht placebokontrolliert (die Misteltherapie wird mit einem Scheinmedikament verglichen) und deshalb nicht relevant. 
Antwort: Es gibt eine Vielzahl von Studien in der konventionellen Onkologie, in denen das zu prüfende Präparat nicht mit einem Placebo verglichen wird und die ebenfalls nicht doppelblind angelegt sind. Die Aussagekraft dieser Studien wurde bisher nicht in Zweifel gezogen. Hinzu kommt, dass eine Misteltherapie anhand der Hautreaktion (Rötung, Schwellung) deutlich erkennbar ist – für die Patient*innen ebenso wie für die Ärzt*innen. Auch wird die Dosis anhand der Hautreaktion eingestellt. Eine solche Reaktion kann nicht einfach und ethisch unbedenklich durch ein Scheinmedikament erzielt werden. 

Einwand: Die Diagnose sei nicht gesichert gewesen, weil weil nicht bei allen Patient*innen eine Gewebeproble entnommen wurde. 
Antwort: Die aktuellen Empfehlungen der Internationalen Studiengruppe zur Pankreas-Chirurgie sehen eine Gewebeentnahme zur Diagnosesicherung nur dann vor, wenn ihr Ergebnis behandlungsrelevant ist. Viele Studienpatient*innen besaßen eindeutige Operations- bzw. wiederholte CT-Befunde, die ein Fortschreiten der Krankheit nachgewiesen hatten. Deshalb war häufig keine Gewebeprobe erforderlich bzw. sinnvoll. 

Einwand: Die Mistelpatient*innen seien besser betreut worden, was das Ergebnis verzerre. 
Antwort: Relativ zur Überlebenszeit hatten nicht etwa die Mistelpatient*innen, sondern die Kontrollgruppe häufigere Kontakte zu den Prüfärzt*innen. Eine Verzerrung zu ihren Gunsten ist deshalb unwahrscheinlich. 
 

Letzte Aktualisierung: 2. September 2019/AB

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