Die wichtigsten Fragen und Antworten

An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zur Misteltherapie bei Krebs zusammengefasst. Über die grauen Felder unten können Sie die Fragenkomplexe einzeln direkt anklicken. Bitte beachten Sie, dass einiges noch kontrovers diskutiert wird. Die Antworten stützen sich auf die klinischen und praktischen Erfahrungen von in der Misteltherapie erfahrenen Ärzt*innen. Falls die Empfehlung Ihres Arztes/Ihrer Ärztin von den hier gemachten Äußerungen abweicht, sollten Sie mit ihm/ihr darüber sprechen.

Therapiezeitpunkt und -verlaufNebenwirkungenZum Spritzen Heilpflanze in der Krebstherapie – warum? 

Therapiezeitpunkt und -verlauf

Wann soll die Misteltherapie beginnen?
Eine Misteltherapie kann jederzeit beginnen, am besten schon unmittelbar nach der Diagnose, noch vor der Operation, wenn eine solche geplant ist. Da die Misteltherapie das Immunsystem stimulieren und somit die Abwehrbereitschaft fördern kann, ist der Körper gut auf die Belastung, die eine Operation für den Organismus bedeutet, vorbereitet. Aber auch ein späterer Beginn ist möglich.

Kann man eine Misteltherapie auch während Chemo- und Strahlentherapie machen?
Ja, denn eine Misteltherapie kann die unerwünschen Wirkungen, die bei einer Chemo-, Antikörper- oder Strahlentherapie auftreten, abmildern. Allerdings ist unbedingt darauf zu achten, dass die Spritze außerhalb des Bestrahlungsfelds gegeben wird, sonst kann sich die Haut stark entzünden.

Stört die Mistel die Wirkung anderer Medikamente?
Nein, bisher sind keine negativen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bekannt. Die bisher vorliegenden Studien zeigen, dass eine Misteltherapie gut mit allen konventionellen Behandlungsmethoden kombiniert werden kann. Sie kann deren unerwünschte Wirkungen abmildern, ohne deren Wirkung zu beeinträchtigen. 

Wie lange dauert die Behandlung?
Eine Misteltherapie ist oft eine langfristige Therapie. Meist erstreckt sie sich über mehrere Jahre. Wie lange die Therapie im Einzelfall dauert, hängt davon ab, wie sich die Krankheit entwickelt und wie der Organismus auf die Therapie reagiert.

Müssen die Blutwerte kontrolliert werden? 
Meist werden zu Beginn einer Misteltherapie einmal die Blutwerte bestimmt und im Verlauf der Behandlung in größeren Abständen wiederholt kontrolliert. Solche Laborkontrollen sind allerdings nicht zwingend nötig. Jeder Arzt entscheidet hier aufgrund der Krankheitssituation, welche Untersuchungen im Einzelfall erforderlich sind.

Beeinflusst die Misteltherapie die Tumormarker?
Die Tumormarker ändern sich in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf. Wenn sich der Allgemeinzustand verbessert oder sich der Tumor unter der Misteltherapie zurückbildet, können auch die Tumormarker wieder sinken.

Macht die Misteltherapie Sinn, wenn schon Metastasen da sind? 
Ja. Sie kann die Lebensqualität verbessern und den Organismus kräftigen. Oft kehrt der Appetit zurück, die Gewichtsabnahme hört auf, der Schlaf verbessert sich, und die Lebensgeister regen sich wieder. 

Kann eine Misteltherapie Schmerzen lindern?
Es kann sein, dass sich unter einer Misteltherapie die Dosis an Schmerzmitteln verringern lässt. Die Intensität des Schmerzes hängt vom Allgemeinbefinden und Kräftezustand ab. In dem Maße, in dem sich das Befinden bessert und die Kraft zurückkehrt, lassen auch Schmerzen nach.

Welches Mistelpräparat ist das richtige? 
Es gibt kein „richtiges“ oder „falsches“ Mistelpräparat. Die häufigsten Gesichtspunkte für die Auswahl des Mistelextrakts sind Tumorart und -stadium, die persönliche Erfahrung der Ärztin/des Arztes, die individuelle Situation der Patientin/des Patienten, die Datenlage (falls vorhanden) und vor allem die Frage, was mit der Misteltherapie erreicht werden soll. Vor diesem Hintergrund versucht er/sie herauszufinden, welches Präparat am besten passt. Menschen, die sehr empfindlich auf Arzneimittel reagieren, sollten anfangs ein besonders niedrig dosiertes Mistelpräparat bekommen – dafür gibt es von einigen Herstellern spezielle Präparatereihen mit besonders niedrigen Anfangskonzentrationen.

Wer darf Mistelpräparate verschreiben? 
Jede Ärztin, jeder Arzt kann Mistelpräparate verordnen, ebenso Heilpraktiker*innen.

Wo finde ich einen in der Misteltherapie erfahrenen Arzt? 
Sie finden eine Arztsuche bei der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland anfragen, wo in Nähe Ihres Wohnortes ein in der Misteltherapie erfahrener Arzt praktiziert. Auch der Bürger- und Patientenverband GESUNDHEIT AKTIV hat eine Ärzt*innen-Hotline eingerichtet, über die Sie eine*n Mistelspezialist*in erfragen können: Telefon 01803 - 30 50 55 (Mo - Fr 9-12 Uhr, Mo - Do 14-16 Uhr; 9 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz, mobil maximal 42 Cent/Minute). 
 

Nebenwirkungen

Ist die Hautrötung eine Allergie? 
Nein, die Rötung an der Einstichstelle der Mistelspritze ist ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem auf die Mistel reagiert. 

Der rote Fleck juckt – ist das ein Hinweis auf eine allergische Reaktion? 
Nein, auch das ist noch kein Hinweis für eine Allergie. Der Juckreiz kann entstehen, wenn sich die durch den Mistelextrakt ausgelöste örtlich begrenzte leichte Entzündung zurückbildet.

Ist es nicht gefährlich, wenn durch die Mistel Fieber entsteht? 
Nein, im Gegenteil! Fieber bis 38 °C ist erwünscht, weil es den Organismus wieder in die Lage versetzt, die Körpertemperatur zu regulieren. Diese Fähigkeit ist bei einer Krebserkrankung häufig geschwächt. Viele Krebspatient*innen, die immer wieder frösteln, fühlen sich im Anschluss an die Mistelspritze angenehm durchwärmt. Selbst wenn im Rahmen einer Mistelinfusion hohes Fieber entsteht (bis 39,5 °C), ist dies therapeutisch sinnvoll und gewollt. Diese Therapievariante ist jedoch off label und sollte deshalb immer unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Der Organismus bekommt dadurch einen starken Impuls, die Abwehrleistung zu steigern. Das Fieber klingt innerhalb von sechs bis acht Stunden wieder ab. Eine so starke Reaktion ist aber nur in bestimmten Situationen gewollt, zum Beispiel, wenn der Organismus zu unempfindlich geworden ist und eine Mistelspritze in die Haut nicht mehr ausreicht, um eine entsprechende Antwort des Immunsystems hervorzurufen. Es ist jedoch nicht erwünscht, einem zu schwachen Organismus eine Leistung abzuverlangen, die zu erbringen er nicht in der Lage ist. Eine solche Überstimulation bewirkt das Gegenteil dessen, was erwünscht ist: sie schwächt den Organismus eher als dass sie ihn stärkt. Wenn Fieber über 38 °C länger als drei Tage anhält, sollten Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt aufsuchen. 

Kann die Mistel das Tumorwachstum fördern? 
Weder in Laborversuchen noch in den mittlerweile über 150 klinischen Studien gibt es einen Hinweis darauf, dass eine Misteltherapie das Tumorwachstum fördern könne. Die ursprünglich geäußerte Sorge beruhte auf Laborversuchen an Zelllinien, die inzwischen jedoch widerlegt wurden. Zudem wurde vor Jahren in einem Vortrag auf einem Internationalen Krebskongress behauptet, eine Misteltherapie könne bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) das Entstehen von Hirnmetastasen fördern. Als 2004 die Studie dazu veröffentlicht wurde (Kleeberg 2004), fand sich darin jedoch darauf kein Hinweis mehr. Eine Analyse von Patientendaten an verschiedenen Zentren, u. a. der Universitäts-Hautklinik Freiburg, zeigte, dass sich eine Misteltherapie bei Hautkrebs sogar positiv auf den Krankheitsverlauf und das Überleben auswirken kann, wenn sie länger als ein Jahr dauert und vorzugsweise mit einem Kiefernmistelextrakt erfolgt (Augustin 2005).

Zum Spritzen

Müssen Mistelpräparate immer gespritzt werden? 
Ja, meistens. In Form von Tabletten würden die eiweißhaltigen Mistelextrakte im Magen „verdaut“ und unwirksam gemacht. Bei Kindern, deren Schleimhäute noch wesentlich durchlässiger sind als die von Erwachsenen, wird der Mistelextrakt manchmal direkt aus der Ampulle als Tropfen gegeben. Die Wirkstoffe gelangen dann über die Mundschleimhaut ins Blut. Die Anwendung bei Kindern erfolgt allerdings off label, das heißt mit Zustimmung der Eltern und auf Verantwortung der behandelnden Ärztin/des behandelnden Arztes. 

Tut das Spritzen weh? 
Nein, es ist allenfalls als kleiner Pieks zu spüren. Die Nadel, mit der gespritzt wird, ist extrem fein und dünn. Sie können sich eine Stelle zum Spritzen suchen, an der Ihr Körper möglichst schmerzunempfindlich ist (Bauch, Oberschenkel). Zu Beginn sollten Sie sich das Spritzen am besten zeigen lassen – es gibt einige Tricks und Kniffe, wie man schmerzarm spritzt.

An der Einstichstelle bilden sich Knubbel. Warum? 
Vermutlich ist die Nadel dann zu tief eingestochen worden und der Mistelextrakt wurde im Unterhautfettgewebe deponiert anstatt unter der Oberhaut. Dann verteilt sich die Flüssigkeit nicht richtig und es bilden sich feste, manchmal etwas schmerzhafte Knoten. Sie bilden sich innerhalb von mehreren Tagen zurück, selten kann es auch einige Wochen dauern, bis der Knubbel wieder vollständig verschwunden ist.

Zu welcher Uhrzeit soll gespritzt werden? 
Wenn es darauf ankommt, die Aktivität des Organismus anzuregen, ist es sinnvoll, in die ansteigende Körpertemperatur hinein zu spritzen, also morgens (zwischen 7 und 9 Uhr). Soll eher die wärmende Seite der Mistel betont werden, ist es ratsam, zur Zeit des Körpertemperaturmaximums zu spritzen, also gegen Abend (zwischen 17 und 18 Uhr). Zwischen diesen beiden Anwendungsarten sollte nicht ständig hin- und hergewechselt werden. Aber grundsätzlich ist nach einiger Zeit eine Änderung möglich. Wichtig ist, nach der Spritze eine halbe Stunde zu ruhen (bzw. morgens nicht gleich aufzustehen).

Was ist zu tun, wenn die nächste Spritze fällig, die Rötung aber noch nicht abgeklungen ist? 
Normalerweise spritzt man nicht in dieselbe Stelle wieder hinein. Trotzdem sollten Sie mit der nächsten Spritze warten, bis die Rötung der vorherigen Injektion völlig abgeklungen ist, weil sich die noch bestehende Rötung sonst so verstärken könnte, dass sich eine heftige und schmerzhafte Entzündungsreaktion ausbildet. Eine Rötung, die nicht innerhalb von zwei Tagen abklingt, ist oft größer als fünf Zentimeter und somit ein Hinweis dafür, dass die Dosis des Mistelextrakts zu hoch ist oder dass falsch gespritzt wurde.

Warum wird die Mistel bei Krebs eingesetzt?

Dass die Mistel als Heilpflanze in der Krebstherapie eingesetzt wird, geht auf Rudolf Steiner zurück, den Begründer der Anthroposophie. Er äußerte sich Ende 1916 gegenüber Ärzt*innen erstmals zu den Möglichkeiten einer Behandlung von Krebs mit Mistelextrakten. Die Ärztin Dr. Ita Wegman (1876-1943) griff seine Anregungen auf und entwickelte 1917 gemeinsam mit einem Zürcher Apotheker das erste Mistelpräparat Iscar, das 1926 in Iscador umbenannt wurde. Unter diesem Namen ist es bis heute im Handel.

Dass Steiner ausgerechnet die Mistel als Heilmittel bei Krebs empfahl, geht auf Parallelen zurück, die er zwischen dieser Pflanze und dem Wesen der Krankheit sah. In einem Vortrag sagte Steiner am 2. April 1920, bei der Mistel sei "die wirksame Natur irrsinnig geworden, sie macht alles zur Unzeit". Und weiter führte er aus: "Das ist gerade dasjenige, was man (...) benützen muss, wenn auf der anderen Seite der menschliche Organismus physisch irrsinnig wird, und das wird er ja zum Beispiel gerade in der Karzinombildung." 

Bösartige Tumore sind nach anthroposophischer Auffassung Fehlbildungen, die zur falschen Zeit im falschen Maß am falschen Ort im menschlichen Körper wachsen. Ebenso ist die Mistel eine Pflanze, die - gemessen an den üblichen Gesetzmäßigkeiten der Botanik - am falschen Ort wächst (auf Bäumen, nicht in der Erde), zur falschen Zeit blüht und fruchtet (im Winter). Sie ernährt sich von dem, was der Baum, auf dem sie wächst, ihr zur Verfügung stellt. Auch ein Tumor ernährt sich von dem Körper, in dem er sich gebildet hat. Die Mistel spiegelt also gewissermaßen das Krebsgeschehen im Pflanzenreich, ohne jedoch eine zerstörerische Wirkung zu entfalten (hier erfahren Sie noch weitere Einzelheiten zu den botanischen Besonderheiten der Mistel). 

Mehr noch: Sie stellt sogar eine Art Gegenbild zum Krebsgeschehen dar, indem sie all das, was die normalen Gestaltungskräfte im Organismus bewirken, negiert, und umgekehrt all das anstrebt, was den Organismus normalerweise nicht interessiert:

  • Normalerweise bilden Pflanzen Wurzeln, um sich damit in der Erde zu verankern, und diese Wurzeln haben die Tendenz, relativ schnell abzusterben. Die Mistel dagegen bildet einen "Senker", mit dem sie sich im Baum verankert. Dieser Senker bleibt jahrelang grün und hat keinerlei Tendenz, abzusterben.
  • Jede Pflanze ist bemüht, eine möglichst große Blattoberfläche auszubilden und diese auf der Oberseite für die Aufnahme von Licht bzw. an der Unterseite für die Abgabe von Kohlendioxid zu optimieren. Die Mistel dagegen lässt jährlich an jedem Zweig gerade mal zwei kleine, keimartige Blättchen wachsen und gibt sich gar nicht erst die Mühe, zwei Schichten zu bilden - die Blätter sind an Ober- und Unterseite gleich.

Diese "Antitendenz" sowie ihre zeitlich und räumlich hochgradig organisierte Struktur prädestinieren die Mistel dazu, dem chaotisch wachsenden Tumor einen Kontrapunkt entgegenzusetzen und die Ordnungskräfte anzuregen. Zum Arzneimittel aufbereitet, stellt sie dem Organismus Kräfte zur Verfügung, die diesem im Rahmen einer Tumorerkrankung verlorengegangen sind.

 

Letzte Aktualisierung: 3. September 2019/AB

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