Hinweise für Ärztinnen und Ärzte

Hier haben wir Ihnen einige wichtige Informationen zur Misteltherapie zusammengestellt, die Ihnen als Ärztin oder Arzt vertraut sein sollten. Weitere Hinweise finden Sie auf der Website anthromedics.de

Alle Informationen über den Einsatz der Misteltherapie bei verschiedenen Tumorentitäten finden Sie im Bereich klinische Studien und Case Reports

Zulassung, Indikation, Verschreibung, Erstattung Anwendung der Misteltherapie in der Onkologie

 

Letzte Aktualisierung: 12. November 2020/AT1

Zulassung, Indikation, Verschreibung, Erstattung

Mistelextrakte sind in Deutschland für Erwachsene als subkutane Anwendung zugelassen. Im Sinne des anthroposophischen Therapiekonzeptes und auf Basis der jeweiligen Fachinformation der Hersteller vermittelt die anthroposophische Misteltherapie krebskranken Patient*innen eine „Anregung von Form- und Integrationskräften zur Auflösung und Wiedereingliederung verselbständigter Wachstumsprozesse, z.B. bei bösartigen Geschwulsterkrankungen, auch mit begleitenden Störungen der blutbildenden Organe; bei gutartigen Geschwulsterkrankungen; bei  definierten Präkanzerosen und zur Rezidivprophylaxe nach Geschwulstoperationen“ [1, 2, 3, 4]. Dies umfasst die Anwendung bei allen soliden Tumorarten und in allen Krankheitsphasen.

Am häufigsten verordnet werden die anthroposophischen Mistelpräparate AbnobaVISCUM®, Helixor®, Iscador® und Iscucin®; alle vier Präparate stellen Gesamtpflanzenextrakte der Mistel dar.

In Deutschland sind alle vier genannten Mistelpräparate zugelassen. Hier erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Misteltherapie mit diesen Arzneimitteln bei allen fortgeschrittenen, d.h. palliativen Erkrankungsstadien. Voraussetzung ist eine Verordnung auf Kassenrezept. Dabei wird unter dem Begriff der palliativen Tumortherapie die Behandlung einer noch nicht finalen, aber auch nicht mehr kurativ zu behandelnden Erkrankung verstanden. Ziel dieser Therapie ist es, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und möglichst auch die Überlebenszeit zu verlängern [5].

In einem adjuvanten, also nicht metastasierten Stadium der Krebserkrankung können gesetzliche und private Kassenrankenversicherungen die Kosten übernehmen, sie müssen es aber nicht. In Ausnahmefällen, z. B. um Chemotherapie-bedingte Nebenwirkungen während oder nach der Therapie abzumildern oder das tumor- oder therapiebedingte Fatigue-Syndrom zu lindern, können Mistelpräparate ebenfalls auf Kassenrezept verschrieben und erstattet werden.

In Österreich sind nur die Mistelpräparate Helixor® und Iscador® zugelassen. In Österreich werden die Kosten für diese Präparate im palliativen Bereich und mit ausführlicher Begründung auch im adjuvanten Bereich je nach Krankenkasse übernommen. In Österreich besteht für ein weiteres Mistelpräparat, Isorel®, eine sogenannte aufrechte Zulassung. Dieses Mittel wird dort somit aller Voraussicht nach ab Frühjahr 2021 wieder allgemein erhältlich sein. 

Auch in der Schweiz sind nur die Präparate von Helixor® und Iscador® zugelassen. Die Kosten für die dort verschreibungspflichtigen Mistelpräparate werden von der Grundversicherung übernommen, wenn sie ärztlich verordnet werden.

 

Letzte Aktualisierung: 12 November 2020/AT1

Die Anwendung der Misteltherapie in der Onkologie

Die anthroposophische Misteltherapie ist weit verbreitet. Zubereitungen der weißbeerigen Europäischen Mistel (Viscum album L.) gehören zu den am meisten eingesetzen Arzneimitteln bei Krebserkrankungen [6, 7]. Bis zu 80 Prozent dieser Patient*innen wenden komplementäre Therapien [8, 9, 10, 11, 12] und bis zu 62 Prozent explizit die Misteltherapie an [13, 14, 15, 16, 17, 18, 19].

Bei der Prävalenz der Anwendung spielt die Empfehlung der Ärztin/des Arztes eine wichtige Rolle, da der Informationsbedarf der Patient*innen in diesem Bereich sowie bei den komplementären Therapien hoch ist [20].

Je nach Verordnung, wird das Mistelpräparat mehrmals wöchentlich subkutan gespritzt. Die optimale Häufigkeit der Applikationen, die Stärke und die Dosis werden ärztlich ermittelt, wobei die möglichen Reaktionen auf das Mistelpräparat und die Gegenanzeigen zu beachten sind. Dosierung, Häufigkeit und Dauer der Anwendung hängen vom Zustand des/der zu Behandelnden, deren/dessen Reaktion, dem klinischen Verlauf der Erkrankung sowie vom jeweiligen Mistelpräparat ab. Die Dosis wird ärztlich überwacht, in der Regel langsam gesteigert und orientiert sich individuell am Allgemeinbefinden, an der Stärke der Reaktion sowie an der Körpertemperatur. DAs Mistelpräparat wird normalerweise an verschiedenen Orten appliziert, z. B. abwechselnd an den vier Quadranten der Bauchhaut, am Oberschenkel oder Oberarm. Dabei sollten entzündete oder bestrahlte Applikationsorte grundsätzlich ausgespart werden. Der Tageszeitpunkt der Gabe des Mistelpräparates kann individuell festgelegt werden.

Die Anwendungsdauer ist im Prinzip nicht begrenzt und sollte zusammen mit der Patientin/dem Patienten eingeschätzt werden. Sie richtet sich nach dem jeweiligen Rezidiv-Risiko und dem individuellen Befinden bzw. Befund der/ Patientindes Patienten. Die Anwendung erstreckt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum, wobei das Mistelpräparat kontinuierlich oder intermittierend gegeben werden kann. In der Regel werden mit zunehmender Therapiedauer Pausen eingelegt [1, 2, 3, 4].

Die Misteltherapie kann problemlos während des Urlaubs oder auf Reisen fortgesetzt werden. Die Injektionsampullen werden dann in kleinen Coolpacks im Handgepäck mitgeführt. Dazu ist eine Bescheinigung der behandelnden Ärztin/ des behandelnden Arztes über die laufende Therapie erforderlich, um die Ampullen als zusätzliche Flüssigkeiten im Handgepäck mit an Bord nehmen zu dürfen. Am Zielort sollten sie im Kühlschrank bei 2-8 °C lagern.

Über die normale subkutane Injektion hinausgehende hochdosierte oder Off-Label-Use Applikationen (wie z. B. intravenöse, intrapleurale, intravasale, intraperikardiale, intratumorale und intraperitoneale Mistel-Applikationen) sollten Spezialist*innen vorbehalten sein und unter engmaschiger klinischer Kontrolle erfolgen [22]. Diese Anwendungen erfolgen außerhalb des durch die Arzneimittelbehörde zugelassenen Gebrauchs. Dafür bedarf es der schriftlichen Zustimmung der Patientin/des Patienten. Diese zulassungsüberschreitenden Anwendungen von Mistelpräparaten gelten jedoch in der Regel als sicher (bitte lesen Sie hierzu auch den Abschnitt Sicherheit).

Weiterführende Informationen zur Anwendung von Mistelpräparaten finden Sie bei anthromedics 

 

Letzte Aktualisierung: 13. November 2020/AT1

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