Hinweise für Ärztinnen und Ärzte

Hier haben wir Ihnen einige wichtige Informationen zusammengestellt, die Sie als Ärztin oder Arzt kennen sollten, wenn Sie mit der Mistel arbeiten wollen. Sehr viel detailliertere Hinweise finden Sie auf der Webseite anthromedics.de

Alle Informationen über den Einsatz der Misteltherapie bei verschiedenen Tumorentitäten finden Sie im Bereich klinische Studien und Case Reports

Zulassung, Indikation, Verschreibung, Erstattung Anwendung der Misteltherapie in der Onkologie

 

Zulassung, Indikation, Verschreibung, Erstattung

Die Mistel ist in Deutschland für Erwachsene als subkutane Anwendung zugelassen. Im Sinne des anthroposophischen Therapiekonzeptes und auf Basis der jeweiligen Fachinformation der Hersteller vermittelt die anthroposophische Misteltherapie krebskranken Patient*innen eine „Anregung von Form- und Integrationskräften zur Auflösung und Wiedereingliederung verselbständigter Wachstumsprozesse, insbesondere in den Reproduktionsorganen, der Blase und der Mamma, z.B. bei bösartigen Geschwulsterkrankungen, auch mit begleitenden Störungen der blutbildenden Organe; bei gutartigen Geschwulsterkrankungen; bei  definierten Präkanzerosen und zur Rezidivprophylaxe nach Geschwulstoperationen“ [1, 2, 3, 4]. Dies umfasst die Anwendung bei allen soliden Tumorarten und in allen Krankheitsphasen.

Am häufigsten verordnet werden die anthroposophischen Mistelpräparate AbnobaVISCUM®, Helixor®, Iscador® und Iscucin®; alle vier Präparate stellen Gesamtpflanzenextrakte der Mistel dar.

In Deutschland sind alle vier genannten Mistelpräparate zugelassen. Hier erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Misteltherapie mit diesen Arzneimitteln bei allen fortgeschrittenen, d.h. palliativen Erkrankungsstadien. Voraussetzung ist eine Verordnung auf Kassenrezept. Dabei wird unter dem Begriff der palliativen Tumortherapie die Behandlung einer noch nicht finalen, aber auch nicht mehr kurativ zu behandelnden Erkrankung verstanden. Ziel dieser Therapie ist es, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und möglichst auch die Überlebenszeit zu verlängern [5].

In einem adjuvanten, also nicht metastasierten Stadium der Krebserkrankung können gesetzliche und private Kassen die Kosten übernehmen, sie müssen es aber nicht. In Ausnahmefällen, um schwerwiegende Nebenwirkungen während oder nach der Chemotherapie abzumildern, z. B. das tumorbedingte Fatigue-Syndrom, können Mistelpräparate ebenfalls auf Kassenrezept verschrieben und erstattet werden.

In Österreich sind nur Helixor® und Iscador® zugelassen. In Österreich werden die Kosten für diese Präparate im palliativen Bereich und mit ausführlicher Begründung auch im adjuvanten Bereich je nach Krankenkasse übernommen. Zudem besteht in Österreich für ein weiteres Mistelpräparat, Iscorel®, eine sogenannte aufrechte Zulassung. Dieses Mittel wird dort aller Voraussicht nach ab Frühjahr 2021 wieder allgemein erhältlich sein. 

Auch in der Schweiz sind nur Helixor® und Iscador® zugelassen. Die Kosten für die dort verschreibungspflichtigen Mistelpräparate werden von der Grundversicherung übernommen, wenn sie ärztlich verordnet werden.

Die Anwendung der Misteltherapie in der Onkologie

Die anthroposophische Misteltherapie ist im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Zubereitungen der weißbeerigen Europäischen Mistel (Viscum album L.) gehören in verschiedenen europäischen Ländern zu den am meisten verschriebenen Arzneimitteln bei Krebs [6, 7]. Bis zu 80 Prozent dieser Patient*innen wenden komplementäre Therapien [8, 9, 10, 11, 12] und bis zu 62 Prozent explizit die Misteltherapie an [13, 14, 15, 16, 17, 18, 19].

Bei der Prävalenz der Anwendung bestehen deutliche nationale Unterschiede. Dabei spielt die Empfehlung des Arztes eine wichtige Rolle, da der Informationsbedarf der Patient*innen in diesem Bereich sowie bei den komplementären Therapien hoch ist [20].

Falls nicht anders verordnet, wird das Mistelpräparat zwei- bis dreimal wöchentlich s.c. gespritzt. Die optimale Stärke und Dosis wird ärztlich ermittelt, wobei die Gegenanzeigen und möglichen Reaktionen auf die Mistelgabe zu beachten sind. Dosierung, Häufigkeit und Dauer der Anwendung hängen vom Zustand des/der zu Behandelnden, deren/dessen Reaktion, dem klinischen Verlauf der Erkrankung sowie vom jeweiligen Mistelpräparat ab. Die Dosis wird nach und nach gesteigert und orientiert sich individuell am Allgemeinbefinden, an der Stärke der Reaktion an der Einstichstelle sowie an der Körpertemperatur. Normalerweise kann die Mistel an verschiedenen Orten appliziert werden, z. B. abwechselnd an den vier Quadranten der Bauchhaut, am Oberschenkel oder Oberarm. Dabei sollten entzündete oder bestrahlte Applikationsorte grundsätzlich ausgespart werden. Der Tageszeitpunkt der Mistelgabe kann individuell festgelegt werden.

Die Anwendungsdauer ist im Prinzip nicht begrenzt und sollte zusammen mit der/dem Patient*in eingeschätzt werden. Sie richtet sich nach dem jeweiligen Rezidiv-Risiko und dem individuellen Befinden bzw. Befund der/des Patient*in. Die Anwendung kann sich über einen langen Zeitraum erstrecken, kontinuierlich oder intermittierend. In der Regel werden Pausen mit zunehmender Länge eingelegt [1, 2, 3, 4].

Die Mistelbehandlung kann problemlos auch während des Urlaubs oder auf Reisen fortgesetzt werden. Die Mistelampullen werden dann in kleinen Coolpacks im Handgepäck mitgeführt. Am Zielort sollten sie im Kühlschrank bei 2-8 °C lagern.

Über die normale subkutane Injektion hinausgehende hochdosierte oder off-label use Applikationen (wie z. B. intravenöse, intrapleurale, intravasale, intraperikardiale, intratumorale und intraperitoneale Mistel-Applikationen) sollten Spezialist*innen vorbehalten sein und unter engmaschiger klinischer Kontrolle erfolgen [22]. Diese Anwendungen sind off-label, da sie außerhalb des durch die Arzneimittelbehörde zugelassenen Gebrauchs erfolgen. Dafür bedarf es der schriftlichen Zustimmung der/des Patient*in. Diese zulassungsüberschreitenden Anwendungen der Mistelgabe gelte jedoch in der Regel als sicher (bitte lesen Sie hierzu auch den Abschnitt Sicherheit).

Weiterführende Informationen zur Anwendung der Mistel finden Sie bei anthromedics 

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

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