Fallberichte zur Misteltherapie bei Hirntumoren

Misteltherapie bei Astrozytom 

Bouzek 2012 [159]

Diagnose und Therapie

Der Fallbericht handelt von einer 1952 geborenen Patientin, die im März 1997 erstmals über Kopfschmerzen, gefolgt von zwei epileptischen Anfällen, klagte. Zwei Tage nach Beginn der Symptomatik erfolgte eine craniale Computertomographie (CCT), die einen hypodensen Herd links frontal, ins Corpus callosum hineingreifend, zeigte. Das am 27. März 1997 angefertigte MRT entsprach im Befund einem Hirntumor, der links frontal über das Corpus callosum bis zum rechten Frontallappen hineinreichte. 

Am 14. April 1997 erfolgte eine partielle Tumorresektion. Die Histologie ergab ein Astrozytom WHO II. Das im Mai 1997 vorgenommene postoperative MRT wies darauf hin, dass das Volumen des Tumors, der insbesondere den linken Frontallappen infiltrierte, durch die Operation nur unwesentlich beeinflusst worden war. Von Mai bis Juli 1997 erfolgte daraufhin eine Radiotherapie (60 Gy). Ab Juli 1997 zeigte die Patientin psychische Veränderungen im Sinne eines Frontalhirnsyndroms mit emotionaler Labilität, Verminderung des Realitätssinns und affektive Störungen. Bereits vor der Tumorerkrankung waren erhöhte Leberwerte aufgefallen und im weiteren Verlauf manifestierte sich eine primär biliäre Leberzirrhose.

Das im Oktober 1997 durchgeführte CCT zeigte eine partielle Regression des Tumors links frontal im Vergleich zur vorigen Untersuchung. Laboruntersuchungen zwischen September 1997 und Februar 1998 zeigten wiederholt erhöhte Leberwerte. Die Patientin erhielt häusliche Krankenpflege und zeigte eine schrittweise psychische Besserung.

Krankheitsverlauf

Am 9. März 1998 kam die Patientin erstmals in unsere Sprechstunde. Klinisch bestand ein leichtes Frontalhirnsyndrom ohne Paresen. Seit der Operation war es zu keinen Krampfanfällen mehr gekommen. Die antikonvulsive Therapie mit Diphenylhydantoin war wegen Haut-Nebenwirkungen im August 1997 ausgeschlichen worden. Es wurde eine subkutane Misteltherapie mit Iscador® P Serie 0 jeden dritten Tag verordnet.

Am 5. Mai 1998 kam die Patientin erneut zur Konsultation. Sie berichtete, dass lediglich nach der Gabe der 1mg-Dosis leichte LokaIreaktionen mit Juckreiz aufgetreten seien und sie weiterhin anfallsfrei sei, so dass die Therapie in gleicher Dosierung und gleichem Injektionsrhythmus fortgesetzt wurde. 

Am 5. Juni 1998 zeigte das craniale MRT einen weiteren Rückgang der Tumorgröße links frontal mit Zunahme des postoperativen Defekts links und gesteigerter Gliose des übrigen Gewebes. Andererseits manifestierte sich ein neuer kleiner Herd frontal links, etwa 8 mm groß, mehr als 20 mm von der bestrahlten Tumorregion entfernt. Ebenfalls zeigte sich eine Volumenzunahme und gesteigerte Kontrastmittelaufnahme des rechts der Mittellinie gelegenen Tumoranteils.

Am 22. Juni 1998 war klinisch keine Veränderung festzustellen und da Iscador® P Serie 0 zufriedenstellend vertragen wurde, wurde das Applikationsintervall auf jeden zweiten Tag verkürzt und auf Iscador® P Serie I gesteigert. 

Am 23. Juli 1998 berichtete die Patientin, dass es ihr subjektiv gut gehe, sie anfallsfrei sei und keine Kopfschmerzen habe.

Am 26. Oktober 1998 berichtete die Patientin von einem zerebralen Krampfanfall Ende September mit nachfolgender Parese der rechten oberen Extremität und Verlust der Orientierung, wobei die Symptome schrittweise spontan wieder abgeklungen seien. Außerdem bestand eine ausgeprägte Müdigkeit. Die Misteltherapie wurde in gleicher Dosierung beibehalten.

Am 20. April 1999 ergab das craniale MRT den Befund zunehmender gliöser Veränderungen, eine leicht erhöhte Kontrastmittelaufnahme des Tumors frontal rechts ohne Größenprogredienz. Im Labor zeigte sich eine zunehmende Eosinophilie und erhöhte gammaGT, obwohl die Patientin keinen Alkohol trank, und es bestand eine Hypakusis des linken Ohres. 

Die Therapie wurde auf Iscador® P Serie II umgestellt, das weiterhin jeden zweiten Tag gespritzt wurde, aber mit einer dreitägigen Pause nach 7 Ampullen und einer einwöchigen Pause nach 14 Ampullen.

Am 11. Januar 2000 berichtete die Patientin von zunehmenden Gedächtnisstörungen seit Mitte Dezember. Sie verspreche sich öfter, ansonsten gab es aber keine wesentlichen Veränderungen. Die Misteltherapie wurde vorerst unverändert beibehalten.

Die Patientin konsultierte uns in regelmäßigen Abständen, letztmalig im Mai 2011. Auch zu diesem Zeitpunkt wies sie weiterhin einen bereits langfristig stabilen MRT-Befund ohne Zeichen eines aktiven Tumors auf. Inzwischen waren seit der partiellen Resektion und histologischen Sicherung des Astrozytoms mehr als 14 Jahre vergangen, in denen 13 Jahre lang eine kontinuierliche Misteltherapie erfolgte.

Fazit

Unter fortlaufender Misteltherapie konnte bei einem inoperablen Astrozytom II nach initialer partieller Resektion und anschließender Strahlentherapie ein Langzeitüberleben von über 14 Jahre bei guter Lebensqualität erreicht werden.

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

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