Die Mistel beim Pankreas-Karzinom

Wir besprechen hier die drei wichtigsten Studien zu dieser Tumorart: 

Darüber hinaus liegt ein interessanter Fallbericht zu dieser Tumorart vor. 

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

Integrative Onkologie inklusive Misteltherapie in der palliativen Versorgung

Axtner et al. 2016 [101]

Patient*innen und Methodik

In dieser multizentrischen Beobachtungsstudie wurde untersucht, wie sich der Einsatz eines integrativen onkologischen Konzeptes, das auch die Misteltherapie beinhaltet, in der täglichen Versorgung auf die Überlebenszeit von 240 Patient*innen mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom (Stadium IV) auswirkt.

Die Überlebenszeit wurde mittels multivariater Cox-Proportional-Hazard-Analyse mit verschiedenen parametrischen Verteilungsfunktionen analysiert. Die Patient*innen, die nur eine Chemotherapie erhielten, wurden mit denen, die eine Kombination aus Chemo- und Misteltherapie bzw. nur eine Misteltherapie bzw. keine Therapie erhielten, verglichen. Zur Klassifizierung in die Mistelgruppe war eine Anwendung von mindestens vier Wochen erforderlich.

Ergebnisse

Von den 240 Patient*innen waren 124 Frauen und 116 Männer mit einem medianen Alter von 68 Jahren. Von ihnen erhielten 221 (92,1%) eine komplementäre Therapie innerhalb des integrativen onkologischen Therapiekonzeptes, und davon wiederum 177 (73,8%) eine Misteltherapie, die bei 154 Patient*innen (64,1%) gleichzeitig mit einer Chemotherapie (meistens Gemcitabin als Monotherapie oder auch als Kombination) angewendet wurde. Beide Therapien hatten positive Auswirkungen auf das Überleben der Patient*innen.

In einer zweiten Analyse wurde festgestellt, dass Patient*innen mit kombinierter Chemo- und Misteltherapie signifikant länger lebten als Patient*innen, die nur eine Chemotherapie erhielten (12,1 vs. 7,3 Monate). Patient*innen mit nur einer Misteltherapie zeigten wiederum ein längeres Überleben als diejenigen, die weder eine Chemo- noch eine Misteltherapie erhalten hatten (5,4 vs. 2,5 Monate). Die Kombination beider Therapien schnitt also am besten ab.

Fazit

Die Daten zeigen, dass ein integratives onkologisches Konzept in der täglichen Versorgung von Patient*innen mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom erfolgreich eingesetzt werden kann. So konnte bei den Patient*innen, die sowohl eine Mistel- als auch eine Chemotherapie erhielten, die längste Überlebenszeit ermittelt werden. Dies unterstreicht deren Wirksamkeit während und nach einer Chemotherapie nicht nur im Hinblick auf die Verträglichkeit, sondern auch auf die Prognose.

Einfluss einer Misteltherapie auf die Überlebenszeit und Lebensqualität

Tröger et al. 2013, 2014 [81, 127]
Dabei handelt es sich zwei Veröffentlichungen einer Studie, die unter verschiedenen Aspekten in unterschiedlichen wissenschaftlichen Journalen publiziert wurde.

Patient*innen und Methodik

Bei dieser Studie handelte es sich um eine offene, monozentrische, gruppensequenzielle, randomisierte Phase-III-Studie bei Patient*innen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Pankreaskarzinom in der Abteilung für Leber und Galle der Ersten Chirurgischen Klinik der Klinischen Zentren Serbiens in Belgrad. Die Patient*innen wurden über einen Zeitraum von zwölf Monaten oder bis zu ihrem vorzeitigen Tod beobachtet. 

Die eine Hälfte der Patient*innen erhielt lediglich Best Supportive Care (BSC) zur Akutbehandlung tumorbedingter Symptome, aber keinerlei antineoplastische Therapie. Die andere Hälfte injizierte zusätzlich dreimal wöchentlich den Mistelextrakt Iscador® Qu subkutan. Anschließend wurden beide Kollektive hinsichtlich Gesamtüberlebenszeit (overall survival, OS) und Lebensqualität (LQ) verglichen. Die Lebensqualität wurde mit Hilfe des EORTC QLQ-C30 Fragebogens erfasst. 

Das gruppensequenzielle Design sah nach Einschluss von 220 Patient*innen eine erste Zwischenauswertung vor bezüglich des Gesamtüberlebens und der Arzneimittelsicherheit durch ein unabhängiges Gutachtergremium (Independent Data Monitoring Board, IDMC). Dieses Gremium empfahl eine vorzeitige Beendigung der Studie wegen erwiesener Wirksamkeit und stimmte der Veröffentlichung der bis dahin erhobenen Studienergebnisse zu.

Ergebnisse

Die Baseline-Charakteristika waren in beiden Studiengruppen statistisch ausgeglichen. Die Zwischenauswertung zeigte in der Mistelgruppe eine mediane Überlebenszeit von 4,8 Monaten im Vergleich zu 2,7 Monaten in der Kontrollgruppe (Hazard Rate (HR) = 0,49; p < 0,0001). In zwei nachfolgenden Subgruppen-Analysen, bei denen die Patient*innen entsprechend eines Prognose-Index unterteilt wurden, betrug die mediane Überlebenszeit in der Gruppe mit „guter Prognose“ für die Patient*innen mit der Misteltherapie 6,6 Monate und für die Kontrollgruppe 3,2 Monate (HR = 0,43; p < 0,0001). In der Patient*innengruppe mit „schlechter Prognose“ ergaben sich entsprechende Zeiten von 3,4 bzw. 2,0 Monaten (HR = 0,55; p = 0,0031). 

Auch für die Parameter, mit denen die Lebensqualität erhoben wurde, ergaben sich größtenteils deutliche Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. So zeigte sich im EORTC QLQ-C30 bei 13 seiner 15 Dimensionen eine signifikante und auch klinisch relevante Überlegenheit in der Mistelgruppe. Ebenso spiegelte sich der deutliche Erfolg in der nachweislich geringeren Anzahl und Ausprägung tumorbezogener Symptome im Therapieverlauf wider. So waren insbesondere die tumorbedingten Schmerzen deutlich geringer, was mit einer signifikanten Schmerzmittelreduktion einherging, und auch Übelkeit und Erbrechen sowie Energie- und Appetitverlust waren deutlich geringer ausgeprägt. Bei den Patient*innen in der Mistelgruppe konnten die Prüfärzte entgegen aller Erwartungen sogar eine leichte Gewichtszunahme beobachten. 

Die Misteltherapie wurde in allen Fällen gut vertragen und es wurden keine schweren oder weniger schwerwiegenden Nebenwirkungen verzeichnet.

Fazit

Diese Studie ergab für Patient*innen unter einer Misteltherapie einen signifikanten und klinisch relevanten Vorteil im Gesamtüberleben und eine sehr deutliche Verbesserung der Lebensqualität. Eine Misteltherapie stellt somit eine gut geeignete nicht-toxische Sekundärbehandlung von Patient*innen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Adenokarzinom des Pankreas dar.

Wirksamkeit und Sicherheit einer supportiven Misteltherapie

Matthes et al. 2010 [45]

Patient*innen und Methodik

In diese nach GEP-Richtlinien durchgeführte multizentrische, kontrollierte, epidemiologische, retrospektive Kohortenstudie wurden 396 Patient*innen aus verschiedenen Zentren in Deutschland und der Schweiz mit einem Pankreaskarzinom aller Schweregrade (UICC-Stadien I bis IV) aufgenommen. Bei 201 dieser Patient*innen wurde Iscador® als Teil einer supportiven Therapie zwei- bis dreimal pro Woche zusätzlich zur adjuvanten Chemotherapie (± Radiotherapie) oder ergänzend zur onkologischen Nachsorge appliziert. 

Die 195 Patient*innen aus der Kontrollgruppe wurden nur mit einer Chemotherapie, insbesondere mit Gemcitabin (± Radiotherapie) behandelt oder erhielten eine Nachsorge ohne weitere onkologische Medikation. 

Die Therapie- bzw. Nachbeobachtungszeit betrug in der Mistelgruppe im Median etwa 15 Monate und in der Kontrollgruppe etwa 10 Monate. Die mediane Dauer der Chemotherapie betrug in der Mistelgruppe rund 7 Monate, in der Kontrollgruppe lag sie bei rund 5 Monaten. 

Die Wirksamkeit wurde anhand des Auftretens der durch die Chemotherapie (± Radiotherapie) bedingten Nebenwirkungen in der Mistel- im Vergleich zur Kontrollgruppe beurteilt sowie durch die Persistenz krankheitsbedingter Symptome, den Karnofsky-Index, die Krankenhausaufenthaltsdauer und die Gesamtüberlebenszeit (overall survival, OS). Ebenso wurde die Zahl der Patient*innen mit dokumentierten Nebenwirkungen (UAW), die durch die Misteltherapie verursacht wurden, erfasst.

Ergebnisse

In der Mistelgruppe wurden signifikant weniger durch Chemo- und/oder Radiotherapie bedingte Nebenwirkungen beobachtet als in der Kontrollgruppe. So entwickelten in der Mistelgruppe nur 14 Prozent diese Nebenwirkungen, in der Kontrollgruppe dagegen fast 50 Prozent. Das adjustierte relative Risiko, therapiebedingte Nebenwirkungen zu entwickeln, war somit in der Mistelgruppe signifikant geringer als in der Kontrollgruppe (p = 0,003), was mit einer Risikoreduktion um 54 Prozent in der Mistelgruppe einherging. 

Die Patient*innen in der Mistelgruppe zeigten nach dem ersten onkologischen Therapiezyklus weniger krankheits- und therapiebedingte Symptome. Insbesondere Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Depressionen, Fatigue/Müdigkeit, Schlafstörungen sowie Rückenschmerzen traten deutlich seltener auf als in der Kontrollgruppe.

Ein beachtenswertes Studienergebnis wurde bei der berechneten Überlebenszeit (OS) ermittelt. Sie war bei allen Schweregraden des Pankreaskarzinoms in der Mistelgruppe signifikant länger als in der Kontrollgruppe. Die auf die Mortalitätsrate bezogene adjustierte Hazard Ratio (HR) betrug 0,58, sodass sich das relative Sterberisiko in der Mistelgruppe um etwa 42 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe reduzierte. 

Auch der Karnofsky-Leistungs-Index verbesserte sich in der Mistelgruppe signifikant. Die Leistungsfähigkeit erhöhte sich bei den Patient*innen unter Misteltherapie nach dem ersten Chemotherapie-Zyklus von 74,1 auf 79,1 Prozent. Im Gegensatz dazu hatte die Kontrollgruppe einen Leistungsabfall von 80,3 auf 74,7 Prozent. Die Krankenhausaufenthaltsdauer war mit durchschnittlich 40 Tagen in der Mistelgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe mit 54 Tagen ebenfalls signifikant kürzer.

Zur Prüfung der Therapiesicherheit wurden die durch den Mistelextrakt bedingten unerwünschten Arzneimittelwirkungen beurteilt. Nur drei Patient*innen (0,8%) aus der Mistelgruppe reagierten mit leichten, unspezifischen systemischen Nebenwirkungen wie Schwindel, Erschöpfung, Depression, Übelkeit oder leichtem Fieber. Bei 45 Patient*innen (22,4%) in der Mistelgruppe traten Lokalreaktionen wie Indurationen, Ödeme, Erytheme, Juckreiz oder lokale Schmerzen auf, die stets nur leicht bis mittelschwer ausfielen. Schwere, lebensbedrohliche Nebenwirkungen traten nicht auf. Somit konnte die Misteltherapie als sicher und gut verträglich beurteilt werden.

Fazit

In der vorliegenden Studie konnten die Sicherheit und Wirksamkeit von Iscador® als Teil der supportiven Therapie bei Patient*innen mit Pankreaskarzinom aller Schweregrade gezeigt werden.

Patient*innen in der Mistelgruppe hatten signifikant weniger durch die konventionelle Therapie bedingte Nebenwirkungen, weniger krankheitsbedingte Symptome, einen besseren Allgemeinzustand, kürzere Krankenhausaufenthalte und eine signifikant höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als die Patient*innen in der Kontrollgruppe.

Die Misteltherapie wies eine gute Verträglichkeit auf und konnte als sicher bewertet werden.

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