Die Misteltherapie beim Mamma-Karzinom

In diesem Abschnitt besprechen wir insgesamt sieben Studien zur Misteltherapie bei Brustkrebs:

Bitte beachten Sie auch die Fallberichte zu dieser Tumorart. 

Inzwischen wurde die Leitlinie der Society for Integrative Oncology (SIO) erneuert und als „Klinische Leitlinie zur evidenzbasierten Verwendung integrativer Therapien während und nach der Brustkrebsbehandlung” publiziert [8]. In dieser Leitlinie ist u.a. die subkutane Misteltherapie zur Verbesserung der Lebensqualität mit der Empfehlung Grad C angezeigt [8, 72]. Im Juni 2018 wurde diese Leitlinie durch die amerikanische Krebsgesellschaft (ASCO) übernommen und anerkannt [72]. 

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

Mistel zusätzlich zur Chemotherapie

Tröger et al. 2009, 2014a, Pelzer und Tröger 2018 [44, 47, 49]
Dabei handelt es sich drei Veröffentlichungen einer Studie, die unter verschiedenen Aspekten in mehreren wissenschaftlichen Journalen publiziert wurde.

Patientinnen und Methodik

In einer offenen randomisierten klinischen Studie wurde untersucht, ob die zusätzliche Therapie mit Mistelextrakten die Lebensqualität erhöht, ohne den therapeutischen Effekt der Chemotherapie zu mindern. 

95 Patientinnen mit Brustkrebs bis zum Stadium T1-3N0-2M0, die 6 Zyklen einer adjuvanten Chemotherapie (Cyclophosphamid, Adriamycin, 5-FU = CAF) erhielten, wurden per Zufallsauswahl in drei Gruppen eingeteilt. Die Kontrollgruppe mit 31 Patientinnen erhielt nur die Chemotherapie, eine Gruppe mit 30 Patientinnen erhielt zusätzlich Iscador® M, eine weitere Gruppe mit 34 Patientinnen zusätzlich Helixor® A. Die Mistelpräparate wurden dreimal pro Woche in ansteigender Dosierung subkutan gespritzt. Mit dem Ende der Chemotherapie wurde auch die Misteltherapie beendet. 

Die Lebensqualität wurde mit dem European Organization for Research and Treatment of Cancer-Fragebogen EORTC-QLQ C30 erfasst. Daneben wurde die Häufigkeit von Neutropenien in den Mistelgruppen mit der in der Kontrollgruppe verglichen. Eine Neutropenie wurde dabei als Anzahl neutrophiler Granulozyten < 1.000/µl definiert. Die neutrophilen Granulozyten wurden zu Beginn der Studie und jeweils direkt vor dem nächsten Chemotherapiezyklus bestimmt.

Ergebnisse

Es konnten jeweils 30 Patientinnen in der Kontroll- und Iscador®-Gruppe, sowie 29 Patientinnen in der Helixor®-Gruppe ausgewertet werden. Die Behandlungsgruppen und die Kontrollgruppe unterschieden sich nicht signifikant bezüglich Alter, Tumorstadium, Body Mass Index, körperlichem Befinden, Vitalzeichen und vorangegangenen Erkrankungen. Bei der Basisuntersuchung (1. Visite) wurde bei keiner der Patientinnen eine Neutropenie festgestellt. 

In der Auswertung des EORTC-QLQ-C30 wurde zum Studienende eine bessere Lebensqualität in den Mistelgruppen im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt. Bei 12 von 15 Scores zeigte sich in der Iscadorgruppe ein signifikanter Unterschied, der in neun Scores auch klinisch relevant war. In der Helixorgruppe zeigte sich bei 10 von 15 Scores eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität, die in acht Scores klinisch relevant war. Dies war in beiden Gruppen vor allem mit einer deutlichen Schmerzreduktion, weniger Übelkeit/Erbrechen, Durchfall, Schlaflosigkeit und besserem Appetit verbunden. 

Eine Neutropenie war im Behandlungsverlauf bei 3 von 30 Patientinnen in der Iscador®-Gruppe, bei 7 von 29 in der Helixor®-Gruppe und bei 8 von 30 Patientinnen in der Kontrollgruppe aufgetreten. Es zeigte sich also ein verringertes Auftreten von Neutropenien in der Iscador®-Gruppe, wobei der Unterschied jedoch aufgrund der geringen Fallzahl statistisch nicht signifikant war (p = 0,182). 

Außer den erwünschten typischen geringfügigen Lokalreaktionen an der Einstichstelle wurden keine Nebenwirkungen ermittelt, die auf Mistelextrakte zurückzuführen waren; im Vergleich zur Kontrollgruppe trat auch nicht vermehrt Fieber auf.

Fazit

In dieser randomisierten Studie verbesserte die ergänzende Misteltherapie die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen während der Chemotherapie mit CAF deutlich. Außerdem war die Chemotherapie durch die Gabe der Mistelextrakte besser verträglich, da es bei den Mistelpatientinnen weniger Therapieabbrüche, Dosisänderungen und Verzögerungen gab. Auch zeigte sich eine verringerte Häufigkeit von chemotherapiebedingten Neutropenien in der Iscador®-Gruppe.

Fünf-Jahres-Nachbeobachtung nach einer randomisierten Studie zur Misteltherapie parallel zur Chemotherapie

Tröger et al. 2012, 2016, Pelzer und Tröger 2018 [46, 48, 49]
Dabei handelt es sich drei Veröffentlichungen einer Studie, die unter verschiedenen Aspekten in mehreren wissenschaftlichen Journalen publiziert wurde.

Patientinnen und Methodik

Die in der Zusammenfassung von Tröger [44, 47] beschriebenen Patientinnen wurden über einen Zeitraum von fünf Jahren nachbeobachtet. In diesem Zeitraum erhielt keine von ihnen eine Misteltherapie.

Ziel dieser prospektiven nicht-interventionellen Fünf-Jahres-Follow-up-Studie war es zu prüfen, ob die nach der Operation begonnene Misteltherapie parallel zur Chemotherapie bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium (T1-3N0-2M0) einen Einfluss auf das mediane krankheitsfreie Überleben (disease free survival, DFS) hatte. 

Folgende Einschlusskriterien mussten für die Teilnahme an dieser Langzeit-Nachbeobachtungsstudie erfüllt sein: 

  • Die Patientinnen mussten alle sechs Chemotherapie-Zyklen erhalten haben.
  • Es durften vor Beginn der Chemotherapie keine Metastasen nachgewiesen worden sein.
  • Die Patientinnen mussten ihr Einverständnis für die Teilnahme an der Follow-up-Studie erteilt haben.

Das Auftreten von Rezidiven und/oder Metastasen wurde über den Zeitraum von fünf Jahren im Rahmen jährlicher Routine-Visiten im Studienzentrum in Dokumentationsbögen erfasst. Dabei wurde eine Abweichung von ± 2 Monaten für die Visiten toleriert.

Ergebnisse

In der Iscador®-Gruppe hatten zwei Patientinnen einen unbekannten Metastasen-Status (M = x) vor Beginn der Chemotherapie. In der Helixor®-Gruppe willigte eine Patientin nicht ein, weiter an der Studie teilzunehmen. In der Kontrollgruppe konnte eine Patientin aufgrund einer Herzerkrankung nicht an der Nachbeobachtung teilnehmen, eine weitere willigte nicht ein. Daher standen für die Auswertung letztlich jeweils 28 Patientinnen aus beiden Mistelgruppen und 29 Patientinnen aus der Kontrollgruppe zur Verfügung. 

Das Follow-up erstreckte sich über einen Zeitraum von sechs Jahren. Nachdem die Chemo- und Misteltherapie beendet waren, erhielten die Patientinnen weitere Therapien, die das krankheitsfreie Überleben beeinflussen konnten. Diese Therapien wurden in beiden Gruppen ebenfalls in den Dokumentationsbögen erfasst. Die am häufigsten und in allen drei Gruppen gleichermaßen eingesetzten Therapieformen waren Bestrahlungen (n = 48) und antihormonelle Therapien (Tamoxifen; n = 44).

Die mediane krankheitsfreie Überlebenszeit konnte nicht ermittelt werden, weil die größte Wahrscheinlichkeit, in den fünf Jahren ein Rezidiv oder Metastasen zu entwickeln, nur 28 Prozent in der Iscador®- und nur 33 Prozent in der Helixor®-Gruppe betrug. So wiesen sechs von 28 Patientinnen in der Iscador®-Gruppe, neun von 28 Patientinnen in der Helixor®-Gruppe und acht von 29 Patientinnen in der Kontrollgruppe nach fünf Jahren Rezidive oder Metastasen auf. Diese Differenzen waren statistisch nicht signifikant.

Eine Subgruppenauswertung mit Iscador® von Patientinnen, die eine Bestrahlung erhalten hatten, zeigte, dass vier von 19 Patientinnen in der Iscador®- und drei von 18 Patientinnen in der Kontrollgruppe nach fünf Jahren Rezidive oder Metastasen entwickelten. In der Subgruppe der mit antihormoneller Therapie behandelten Patientinnen entwickelten 4 von 18 in der Iscador®- bzw. 4 von 14 Patientinnen in der Kontrollgruppe Rezidive oder Metastasen. Auch diese Differenzen waren nicht statistisch signifikant.

Fazit 

Die Ergebnisse dieser Fünf-Jahres-Follow-up-Studie weisen darauf hin, dass die parallel zur Chemotherapie verabreichte Misteltherapie keinen Einfluss auf die Fünf-Jahres-Überlebenszeit hatte. Es ergab sich kein Anhaltspunkt für irgendeine Art von negativen Wechselwirkungen während der Chemotherapie durch die gleichzeitig verabreichte Misteltherapie.

Andererseits ist die Dauer der Misteltherapie (18 Wochen) zu kurz, um eine Verminderung von Rezidiven oder Metastasen durch die Misteltherapie innerhalb von fünf Jahren zu bewirken. Beobachtungen aus der Versorgungsforschung lassen vermuten, dass die Misteltherapie umso nachhaltiger wirkt, je länger sie gegeben wird.

Der Einfluss einer kombinierten Mistel-/Chemotherapie auf die Lebensqualität

Eisenbraun et al. 2011 [77]

Patientinnen und Methodik 

In dieser nicht-interventionellen, prospektiven klinischen Studie wurde der Längsschnittverlauf der Lebensqualität von 270 Brustkrebspatientinnen mit den Stadien I bis III während der adjuvanten Chemo- und Misteltherapie (abnobaVISCUM® Mali) untersucht. Die Chemotherapie bestand aus 4 bis 6 Zyklen CMF (Cyclophosphamid, Methotrexat, 5-FU), EC (Epirubicin, Cyclophosphamid) oder AC (Adriamycin, Cyclophosphamid). 

Die Lebensqualität wurde durch die EORTC QLQ-C30- und EORTC QLQ-BR23-Fragebögen erfasst, wobei die Messung zu Beginn der Mistel- und Chemotherapie, vier Wochen später, am Ende der Chemotherapie und vier Wochen nach Abschluss der Chemotherapie erfolgte.

Weiterhin wurde die Verträglichkeit und Sicherheit der Misteltherapie in Kombination mit der Chemotherapie unter Bedingungen der täglichen Praxis bestimmt. Die Misteltherapie wurde dreimal pro Woche in ansteigender Dosierung bis zu 20 mg appliziert.

Ergebnisse

Nach einer anfänglichen Verschlechterung verbesserten sich die QLQ-C30- und die QLQ-BR23-Funktionscores bereits vier Wochen nach Beginn der Therapien signifikant (p < 0,0001). Die Scores blieben bis zum letzten Chemotherapiezyklus stabil.

Die Werte der Symptomenskalen des QLQ-C30 nahmen im Verlauf von der ersten bis zur letzten Visite ebenfalls signifikant ab (p < 0,001) und blieben bis zum letzten Chemotherapiezyklus stabil. Die Verträglichkeit der Therapie wurde von den Ärzten für 91 Prozent der Patientinnen als gut oder sehr gut bewertet und die Wirksamkeit sogar für 94 Prozent der Patientinnen als gut oder sehr gut.

Fazit

Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass sich die Lebensqualität durch die Misteltherapie während verschiedener Chemotherapieschemata deutlich steigert, bei einer gleichzeitig guten Verträglichkeit.

Adjuvante Mistel-/Chemotherapie und ihr Einfluss auf Immunparameter, Lebensqualität und Verträglichkeit

Loewe-Mesch et al. 2008 [27]

Patientinnen und Methodik

In einer prospektiven, offenen, zweiarmigen, nicht-randomisierten Studie erhielten 33 Patientinnen mit primärem Mammakarzinom simultan eine Misteltherapie (Iscador® M) sowie eine adjuvante Chemotherapie mit Cyclophosphamid, Methotrexat und 5-FU (CMF) oder Epirubicin und Cyclophosphamid (EC). Dabei wurde Iscador® M in der Einleitungsphase täglich in ansteigender Dosis subkutan gespritzt, in der Erhaltungstherapie nur noch zweimal pro Woche. Die Kontrollgruppe (n = 33) erhielt keine zusätzliche Misteltherapie.

Untersucht wurde der Einfluss der adjuvanten simultanen Mistel-/Chemotherapie vor und 14 Tage nach der Chemotherapie auf Blutbild, Differentialblutbild, Lymphozytensubpopulationen, Lymphozytenstimulierbarkeit und Lebensqualität (EORTC QLQ-C30, -BR23) sowie auf die Verträglichkeit der Chemotherapie.

Ergebnisse

Die Patientinnen in der Mistelgruppe nahmen weniger orale Glukokortikoide ein (p = 0,006) und wiesen eine bessere Lebensqualität auf als die Patientinnen in der Kontrollgruppe. So hatten sie signifikant weniger chemotherapiebedingte Beschwerden, insbesondere Übelkeit und Erbrechen (p = 0,02) und weniger systemische Nebenwirkungen (p = 0,02). Die übrigen therapiebedingten Symptome zeigten in der Mistelgruppe ebenfalls einen tendenziell milderen Verlauf. 

Da es bei den Patientinnen in der Mistelgruppe, die auf die Einnahme von oralen Glukokortikoiden verzichten konnten, zu einem geringeren Abfall einiger Parameter der Lymphozytensubpopulationen kam, wird hier ein Vorteil für die Misteltherapie vermutet. Allerdings korrelierte kein Laborparameter bei den Patientinnen in der Mistelgruppe mit dem klinischen Verlauf.

Die simultane Mistel-/Chemotherapie war gut verträglich, schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen traten nicht auf.

Fazit

Die Lebensqualität der Patientinnen in der Mistelgruppe war weniger beeinträchtigt als in der Kontrollgruppe. Es zeigte sich kein Zusammenhang der geprüften Immunparameter im Blut mit dem klinischen Verlauf.

Wirksamkeit und Sicherheit einer komplementären Misteltherapie in der Nachsorge

Beuth et al. 2008 [33]

Patientinnen und Methodik 

Zur Überprüfung der Unbedenklichkeit und Wirksamkeit einer komplementären Misteltherapie in der Nachsorge von Brustkrebspatientinnen wurden in diese retrospektive epidemiologische Kohortenstudie 53 zufällig ausgewählte Behandlungszentren (Kliniken, Arztpraxen) eingeschlossen. Sie rekrutierten 741 Patientinnen mit primärem Mammakarzinom (UICC-Stadium I-III), um die therapie- bzw. krankheitsbedingten Beschwerden in der Nachsorgephase zu evaluieren. 

Von den 741 Patientinnen konnten 681 für die endgültige Auswertung der Studie aufgenommen werden. Die Kontrollgruppe (n = 514) hatte eine adjuvante Chemo- und/oder Strahlentherapie erhalten, die Therapiegruppe (n = 167) erhielt im Anschluss an die Standardtherapie den Mistelextrakt Helixor® M, A oder P. Die Behandlungs- und Beobachtungsdauer betrug ca. fünf Jahre.

Ergebnisse

Im Verlauf der Nachsorge hatten in der Prüfgruppe signifikant weniger Patientinnen krankheits- und therapiebedingte Beschwerden als in der Kontrollgruppe (56,3% versus 70,0%, p < 0.001). Dabei war bereits im ersten Jahr der Nachsorge die Beschwerdehäufigkeit in der Prüfgruppe geringer als in der Kontrollgruppe. Der Unterschied verstärkte sich bis zum fünften Jahr der Nachsorge und war ab dem zweiten Jahr statistisch signifikant. 

Die Spezifizierung der Beschwerden der Patientinnen in der Nachsorgephase zeigte, dass insbesondere die Häufigkeit von Tumor- und Kopfschmerzen, Fatigue-Syndrom und Mukositis abnahm.

Nebenwirkungen der Misteltherapie traten bei 10,2% der Patientinnen auf. Mit Ausnahme einer einzigen generalisierten Reaktion, die zum Therapieabbruch führte, waren sie leicht und spontan reversibel (Rötung, Schwellung und Juckreiz an der Injektionsstelle, grippeartige Symptome). 

Bezüglich Rezidiv- und Metastasenhäufigkeit bestanden keine signifikanten Unterschiede zwischen Prüf- und Kontrollgruppe (3,6 vs. 2,9% bzw. 3,6 vs. 4,3%).

Fazit

Die Misteltherapie erwies sich bei Brustkrebspatientinnen in der Nachsorge als wirksam und sicher. Es zeigte sich ein deutlicher Vorteil in Bezug auf die Verbesserung der Lebensqualität und Reduktion persistierender krankheits- und therapiebedingter Symptome für die Patientinnen mit einer Misteltherapie.

Signifikant höhere NK-Zell-Aktivierung durch die additive Misteltherapie während Chemotherapie

Auerbach et al. 2005 [170]

Patient*innen und Methodik 

Für eine prospektiv-randomisierte, doppelt-verblindete klinische Pilotstudie zur Untersuchung prognostischer und immunologischer Parameter sowie der Lebensqualität und Durchführbarkeit einer Doppelblindstudie mit einem Mistelextrakt wurden 23 Patientinnen mit histologisch gesichertem Mammakarzinom im Stadium T1-2N0-1M0 rekrutiert. 20 Patientinnen konnten nach drei Zyklen CMF und 16 Patientinnen nach den kompletten Zyklen und der Beobachtungszeit von insgesamt zwölf Monaten ausgewertet werden.

Die Patientinnen wurden in zwei Gruppen randomisiert: Eine Gruppe erhielt 0,9%ige Natriumchloridlösung als Placebo (n = 12), die andere Gruppe den Mistelextrakt Helixor® A (n= 11) in steigenden Konzentrationen von 1, 5, 10,20, 30, 50 bis 100 mg. Sowohl der Mistelextrakt als auch das Placebo wurden dreimal pro Woche subkutan verabreicht.

Alle Patientinnen erhielten sechs Behandlungszyklen einer adjuvanten CMF-Standardchemotherapie an den Tagen 1 und 8 eines Zyklus von 4 Wochen über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten. 7 Patientinnen aus der Kontrollgruppe und 6 Patientinnen aus der Verumgruppe mit einer brusterhaltenden chirurgischen Therapie bekamen zusätzlich eine Radiotherapie mit 25x 2 Gy nach dem 3. CMF-Zyklus (Sandwich-Schema).

Ergebnisse

8 von 9 Patientinnen aus der Mistelgruppe (89%) und 5 von 11 Patientinnen aus der Kontrollgruppe (46%) erkannten trotz Verblindung die verabreichte Medikation – wahrscheinlich aufgrund aufgetretener bzw. ausgebliebener Lokalreaktionen. Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt erkannte bei 16 von 20 Patientinnen (80%) die verabreichte Medikation. Das Ziel der Verblindung – das Auftreten von bewussten und unbewussten Verzerrungen zu limitieren – konnte bei derart hohen Entblindungsraten nicht erreicht werden.

Im Verlauf der Chemotherapie stieg die Schwesterchromatidaustauschrate (SCA-Rate) in den peripheren Blutlymphozyten in beiden Gruppen erwartungsgemäß an, in der Mistelgruppe jedoch in einem geringeren Ausmaß als in der Kontrollgruppe, wobei die Unterschiede zugunsten der Misteltherapie aber nicht signifikant waren.

Weiterhin konnte festgestellt werden, dass in der Mistelgruppe der Anteil der aktivierten NK-Zellen (CD56+/CD69+/CD45) bis zum 6. Zyklus nahezu stabil blieb, wohingegen die Patientinnen in der Placebogruppe (n = 11) einen signifikanten Abfall des Anteils aktivierter NK-Zellen zeigten (p= 0,001). In der Mistelgruppe (n = 9) war der Anteil aktivierter NK-Zellen ab dem 4. CMF-Zyklus signifikant höher als in der Kontrollgruppe (p = 0,005).

Bezüglich der übrigen Labor- und Immunparameter sowie der Lebensqualität konnten keine Unterschiede zwischen Verum- und Kontrollgruppe ermittelt werden.

Die Verträglichkeit der Misteltherapie während der Chemotherapie war gut. In drei Fällen wurden harmlose Rötungen über 5 cm Durchmesser an der subkutanen Injektionsstelle festgestellt und in zwei Fällen über Kopfschmerzen berichtet. Weitere Nebenwirkungen traten nicht auf. In der Mistelgruppe wurden im Unterschied zur Placebogruppe keine chemotherapieinduzierten Leukopenien beobachtet.

Fazit

In der Studie konnte aufgezeigt werden, dass die Verwendung von Mistelpräparaten während der Chemotherapie die immunologischen Parameter signifikant beeinflusst, was mit einem Anstieg des Anteils aktivierter NK-Zellen in der Mistelgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe einherging.

Wirksamkeit und Sicherheit einer Langzeitbehandlung mit Mistel zusätzlich zur konventionellen adjuvanten onkologischen Therapie

Bock et al. 2004 [41]

Patientinnen und Methodik

In diese multizentrische, kontrollierte, pharmako-epidemiologische retrospektive Kohortenstudie mit Parallelgruppendesign wurden 1.442 Patientinnen mit primärem, nicht-metastasiertem Mammakarzinom der UICC-Stadien I bis III aufgenommen. Untersucht wurde die therapeutische Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der langfristigen komplementären Misteltherapie (vorwiegend Iscador® M) zusätzlich zur herkömmlichen adjuvanten onkologischen Therapie. Die Untersuchung fand in verschiedenen Zentren aus Deutschland und der Schweiz statt und wurde nach den Richtlinien der guten epidemiologischen Praxis (GEP) durchgeführt. 

710 Frauen erhielten nach der primären Operation neben der onkologischen Basistherapie (Radio-, Chemo- und/oder Antihormontherapie) zusätzlich zwei- bis dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten den Mistelextrakt subkutan. Die Kontrollgruppe bestand aus 732 Frauen, die nach der Operation ausschließlich eine konventionelle Behandlung (Radio-, Chemo- und/oder Antihormontherapie) erhielten. Es erfolgte eine Nachbeobachtung der Patientinnen über mindestens drei Jahre bzw. bis zum Tod.

Ergebnisse

Das Krankheitsstadium der Frauen in der Mistelgruppe war anfangs weiter fortgeschritten und die Prognosefaktoren deshalb ungünstiger. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von über fünf Jahren und einer medianen Dauer der Misteltherapie von über vier Jahren hatten in der Mistelgruppe signifikant weniger Patientinnen Nebenwirkungen der konventionellen Therapie (16,3%) als Patientinnen aus der Kontrollgruppe (54,1%). 

In der Mistelgruppe bildeten sich die meisten krankheitsbedingten Symptome signifikant häufiger zurück als in der Kontrollgruppe. Dazu gehörten Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung. Der Karnofsky-Index besserte sich häufiger. Das Körpergewicht erhöhte sich deutlicher, und die adjustierte relative Hazard Rate für die Mortalität war signifikant geringer (HR = 0,46; p = 0,038), was eine Verringerung des relativen Sterblichkeitsrisikos um 54% bedeutete. 

Misteltherapiebedingte systemische Nebenwirkungen wie Schwäche, Müdigkeit/Erschöpfung oder gastrointestinale Beschwerden entwickelten sich nur bei 6 Patientinnen (0,8%); lokale Nebenwirkungen um die Einstichstelle wie Erytheme, Indurationen, Ödeme, Juckreiz bei 123 Patientinnen (17,3%). Alle Nebenwirkungen waren leicht bis mäßig (WHO/CTC Grad 1-2) und klangen wieder vollständig ab. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Fazit

Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie bestätigen, dass die komplementäre Langzeitbehandlung mit einem Mistelextrakt bei Patientinnen mit primärem, nicht metastasiertem Mammakarzinom sehr gut verträglich ist und als sicher angesehen werden kann. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe wurden in der Mistelgruppe signifikant weniger Nebenwirkungen der konventionellen Therapie, weniger krankheitsbedingte Symptome und eine längere Überlebenszeit beobachtet.

Auswirkungen einer ergänzenden Misteltherapie auf die Lebensqualität bei Mamma-, Ovarial- und nichtkleinzelligem Bronchial-Ca

Piao et al. 2004 [31]

Patient*innen und Methodik

Diese nach Good Clinical Practice (GCP)-Kriterien (Kriterien der guten klinischen Praxis) durchgeführte multizentrische, randomisierte, offene, prospektive, klinische Studie ermittelte die Lebensqualität und Verträglichkeit einer Polychemotherapie in Verbindung mit einer Misteltherapie.

Eingeschlossen wurden 233 Patient*innen mit Mamma- (n = 68), Ovarial- (n= 71) und nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC, n = 94). Von den ursprünglich 233 rekrutierten Patient*innen konnten 9 nicht in die endgültige Auswertung aufgenommen werden, da sie die Einschlusskriterien nicht in allen Punkten erfüllten, sodass letztendlich 224 Patient*innen für die Auswertung zur Verfügung standen.

Alle Patient*innen wurden mit einer Standard-Polychemotherapie behandelt. Die Verumgruppe (n = 115) erhielt zusätzlich Helixor® A, das dreimal pro Woche in ansteigender Dosierung von 1 mg bis 200 mg subkutan verabreicht wurde. Die Kontrollgruppe (n = 109) erhielt stattdessen das in China und Japan gebräuchliche Immunstimulans Lentinan, das eine nachgewiesene Wirksamkeit auf die Lebensqualität besitzt. Die Patient*innen der beiden Therapiearme waren hinsichtlich Geschlecht, Alter, Tumorart, Tumorstadium und konventioneller Therapien vergleichbar.

Die Lebensqualität wurde anhand von drei unterschiedlichen, validierten Fragebögen bzw. Indizes bestimmt (Functional Living lndex-Cancer = FLIC, Karnofski Performance Index = KPI, Traditional Chinese Medicine Index = TCMI). Der Einfluss der Misteltherapie auf die Verträglichkeit der Chemotherapie wurde durch einen Gruppenvergleich der unerwünschten Ereignisse, die auf Nebenwirkungen der Chemotherapie zurückzuführen waren, untersucht. Die Auswertungen wurden nicht getrennt nach Tumorentitäten vorgenommen.

Ergebnisse

Die Verbesserung der Lebensqualität unter der Misteltherapie war signifikant stärker ausgeprägt als die bei der Kontrolltherapie unter Lentinan (p < 0,05), auch traten unter Misteltherapie signifikant weniger chemotherapiebedingte Nebenwirkungen auf. Der Karnofsky-Index verbesserte sich bei 50,4 Prozent der Patient*innen in der Verumgruppe und bei 32,4 Prozent in der Kontrollgruppe, was statistisch signifikant war (p = 0,002). 

Unter der Misteltherapie besserten sich insbesondere Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen. Es traten 52 unerwünschte Ereignisse in der Mistelgruppe und 90 in der Lentinan-Gruppe auf, davon waren 28 bzw. 77 chemotherapiebedingt; bei 5 bzw. 10 war der Verlauf schwer.

Die meisten mistelspezifischen Nebenwirkungen waren Überreaktionen an der Einstichstelle, die selbstlimitierend waren und keine therapeutische Intervention benötigten.

Fazit

In dieser nach GCP-Kriteriendurchgeführten, prospektiv randomisierten Studie konnte bei Patient*innen mit Mamma-, Ovarial- und nichtkleinzelligem Lungenkarzinom eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und eine Reduktion chemotherapiebedingter Nebenwirkungen unter Misteltherapie im Vergleich zu Lentinan festgestellt werden.

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