Die Misteltherapie beim Korpus-/Endometrium-Karzinom

Einfluss einer Langzeit-Misteltherapie auf die Überlebenszeit und Selbstregulationsfähigkeit

Grossarth-Maticek und Ziegler 2008 [146]

Patientinnen und Methodik

Diese prospektive, kontrollierte Kohortenstudie im Matched-Pair-Design erfolgte im Rahmen einer umfangreichen epidemiologischen Langzeitstudie mit 10.226 Krebspatient*innen, die verschiedene Faktoren im Hinblick auf den Verlauf der Krebserkrankung untersuchte. Die Therapie mit Mistelextrakten war einer der Faktoren, da 1.668 Patient*innen angegeben hatten, Mistelextrakte angewandt zu haben.

Getrennt nach Tumorentität wurde der Einfluss der Misteltherapie auf die psychosomatische Selbstregulation und die Überlebenszeit analysiert. Die Vergleichbarkeit der beiden Therapiegruppen (mit und ohne Misteltherapie) für die jeweilige Tumorentität wurde durch die Bildung von "Matched-Pairs" ermöglicht. Zur Bildung dieser Patientinnenpaare wurde bei der Aufnahme in die Studie geprüft, ob sie hinsichtlich der Kriterien Geschlecht, Alter, Diagnose, Jahr der Primärdiagnose, Stadium, Metastasierung, lokoregionäres Rezidiv, Vortherapie (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Hormontherapie) und Menopausenstatus übereinstimmten. Die beiden Patientinnen mit den geringsten Unterschieden in diesen Kriterien bildeten ein "Matched-Pair". 

Die prospektive Rekrutierung und Langzeitbeobachtung von Patientinnen mit einem Korpuskarzinom erfolgte in vier kontrollierten Kohortenstudien. Dabei wurden in zwei randomisierten Matched-Pair-Studien 30 Patientinnen ohne Fernmetastasen und 26 Patientinnen mit Fernmetastasen bezüglich der oben genannten prognostischen Faktoren „gematcht“. Durch paarweise Randomisierung wurde je einer Patientin jedes Paares eine Misteltherapie mit Iscador® empfohlen, die von dem behandelnden Arzt/der behandeln Ärztin vorgenommen werden sollte. 

In zwei nicht-randomisierten Matched-Pair-Studien wurden 103 Korpuskarzinompatientinnen ohne und 95 mit Fernmetastasen, die bereits eine Misteltherapie erhalten hatten, nach denselben Kriterien mit Patientinnen ohne Misteltherapie „gematcht“.

Ergebnisse

Beim Gesamtüberleben zeigte sich bei den Patientinnen mit einem nicht-metastasierten Korpuskarzinom in der randomisierten Studie ein signifikanter Effekt zugunsten der Misteltherapie (Hazard-Ratio, HR = 0,36, p = 0,014), während Patientinnen mit einem metastasierten Korpuskarzinom keinen Überlebensvorteil durch die Misteltherapie hatten (HR = 1, p = 0,99). 

Die beiden nicht-randomisierten Studien (ohne bzw. mit Fernmetastasen) ergaben jeweils einen signifikanten Vorteil zugunsten der Misteltherapie (HR 0,41, p < 0,0001 bzw. HR = 0,61, p = 0,023). Dabei betrug der mögliche Überlebensvorteil in der Mistelgruppe im Durchschnitt mehr als ein Jahr. 

Der Grad der psychosomatischen Selbstregulation als Maß für die autonome Bewältigung der Erkrankung stieg in der Mistelgruppe nach zwölf Monaten sowohl in der randomisierten als auch in der nicht-randomisierten Studie bei den Patientinnen ohne Fernmetastasen gegenüber der Kontrollgruppe signifikant an (HR = 0,40, p = 0,0012 bzw. 0,70, p = 0,0037).

Fazit

Eine Misteltherapie konnte bei Patientinnen mit Korpuskarzinom die Gesamtüberlebenszeit verlängern. Ebenso stieg der Grad der psychosomatischen Selbstregulation als Maß für die autonome Bewältigung der Erkrankung bei den Patientinnen, die zusätzlich eine der Misteltherapie erhielten, deutlich stärker an als bei den Patientinnen, die nur eine konventionelle Therapie bekamen.

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

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