Die Misteltherapie beim Kolorektal-Karzinom

Wirksamkeit und Sicherheit einer postoperativen Misteltherapie

Friedel et al. 2009, Zänker et al. 2012, Bock et al. 2014 [42, 103, 104]
Dabei handelt es sich drei Veröffentlichungen einer Studie, die unter verschiedenen Aspekten in mehreren wissenschaftlichen Journalen publiziert wurde. 

Patient*innen und Methodik

In dieser nach GEP-Richtlinien (Good Epidemiological Practice) durchgeführten multizentrischen, kontrollierten, retrospektiven, epidemiologischen Kohortenstudie wurde die Wirksamkeit einer Misteltherapie überprüft. Eingeschlossen wurden 804 Patient*innen mit primärem, nicht metastasiertem kolorektalem Karzinom der UICC-Stadien I bis III aus verschiedenen Zentren in Deutschland und der Schweiz. Geprüft wurden die Häufigkeit der durch die Chemo-/Radiotherapie bedingten Nebenwirkungen sowie die Persistenz krankheits- und therapiebedingter Symptome in der Mistelgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Ebenso erhoben wurden der Karnofsky-Index, die Dauer des Krankenhausaufenthaltes während des Beobachtungszeitraums sowie das tumorfreie Überleben (DFS). 

429 Patient*innen erhielten den Mistelextrakt Iscador® M oder Qu s.c. als Teil einer supportiven Langzeittherapie nach der Operation zwei- bis dreimal pro Woche zusätzlich zur konventionellen Chemo- und/oder Radiotherapie oder in der onkologischen Nachsorge. 

Von der per-Protokoll-Analyse aus der Iscador®-Gruppe wurde zusätzlich eine Untergruppe mit 106 Patient*innen ausgewertet, die Iscador® Qu erhielten. Die 375 Patient*innen aus der Kontrollgruppe wurden nur mit konventionellen Therapien behandelt oder erhielten nur eine Nachsorge ohne weitere Medikation.

Der mediane Beobachtungszeitraum betrug 58 Monate in der Mistelgruppe und 51 Monate in der Kontrollgruppe. Die mediane Dauer der Misteltherapie lag bei 53 Monaten. 

In einer zweiten Analyse wurden Patient*innen des Studienkollektivs ausgewählt, die zu Studienbeginn ein tumorbedingtes Fatigue-Syndrom entwickelt hatten. Es konnten 143 Patient*innen ohne und 181 mit additiver Misteltherapie eingeschlossen werden. 

Ergebnisse

Die Patient*innen in der Mistelgruppe zeigten signifikant weniger durch Chemo- und/oder Radiotherapie bedingte Nebenwirkungen als die Kontrollgruppe: Nur etwa 19 Prozent der Patient*innen in der Mistelgruppe entwickelten diese Nebenwirkungen, in der Kontrollgruppe traten sie dagegen bei fast 50 Prozent der Patient*innen auf. 

Die Subgruppenanalyse von 106 Patient*innen zeigte einen noch größeren Unterschied. So entwickelten nur 7,5 Prozent in der Iscador® Qu-Gruppe diese durch Chemo-/Radiotherapie bedingten Nebenwirkungen im Vergleich zu fast 50 Prozent in der Kontrollgruppe.

Die Patient*innen in der Mistelgruppe entwickelten auch weniger krankheits- und therapiebedingte Symptome wie Übelkeit oder Erbrechen, Appetitlosigkeit, Depressionen, Fatigue, Reizbarkeit oder Abgespanntheit, Schlafstörungen, Mukositis oder Hautreaktionen. Auch der Karnofsky-Index verbesserte sich in der Mistelgruppe signifikant (p < 0,001). Die Leistungsfähigkeit der Patient*innen in der Mistelgruppe erhöhte sich während des ersten Chemotherapie-Zyklus kontinuierlich und signifikant auf 86,8 Prozent und steigerte sich nach der Chemotherapie sogar auf 93,7 Prozent. Im Gegensatz dazu zeigte die Kontrollgruppe nach dem ersten Therapiezyklus einen leichten Leistungsabfall, der dann nach der Therapie fast wieder den Ursprungswert von 84,6 Prozent erreichte.

Auch die Krankenhausaufenthaltsdauer war mit durchschnittlich 35,5 Tagen in der Mistelgruppe deutlich kürzer (p = 0,015) als in der Kontrollgruppe, die durchschnittlich 41,2 Tage im Krankenhaus verweilte. 

Darüber hinaus wurde ein Vorteil beim tumorfreien Überleben (DFS) beobachtet. So betrug die adjustierte relative Hazard Rate (adjusted hazard ratio, HR) für das DFS in der Mistelgruppe 0,68 (0,51-0,92, p = 0,013), was einer signifikanten Reduktion des geschätzten relativen Risikos um etwa 32% und einer Senkung der Rezidivrate um etwa ein Drittel entspricht.

Zur Prüfung der Therapiesicherheit wurden die durch Misteltherapie bedingten unerwünschten Arzneimittelwirkungen beurteilt. Zehn Patient*innen (2,3%) reagierten mit systemischen Nebenwirkungen wie Schwindel, Abgeschlagenheit, Depression, Tinnitus, Übelkeit, leichtem Fieber oder Juckreiz. Alle Nebenwirkungen waren leicht bis mäßig (WHO/CTC Grad 1-2). Fünf Patient*innen brachen die Therapie wegen dieser Nebenwirkungen vorzeitig ab. Ein*e Patient*in zeigte eine akute allergische Reaktion.

Bei 100 Patient*innen (23,3%) traten Lokalreaktionen wie Indurationen, Erytheme, Juckreiz oder Ödeme um die Einstichstelle herum auf, die stets leicht bis mittelschwer ausfielen und wieder vollständig abklangen. Lebensbedrohliche Nebenwirkungen kamen nicht vor.

Von den 143 Patient*innen, die keine Misteltherapie erhielten, litten am Ende der Beobachtung noch 86 am tumorbedingten Fatigue-Syndrom. Im Gegensatz dazu zeigten von den 181 Patient*innen, die eine Misteltherapie erhielten, nur noch 16 Patient*Innen am der Ende der Beobachtung diese Symptomatik. 

Fazit

Diese Studienergebnisse belegen, dass eine Misteltherapie ergänzend zur konventionellen onkologischen Basisbehandlung die durch diese Therapien bedingten Nebenwirkungen deutlich verringern und einen Beitrag zur Verlängerung der Überlebenszeit leisten kann. Außerdem stellt die Misteltherapie eine gut geeignete Maßnahme dar, um das tumorbedingte Fatigue-Syndrom zu reduzieren.

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

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