Die Mistel beim Bronchial-Karzinom

Wir besprechen hier drei Studien zu dieser Tumorart, von denen die beiden erstgenannten besonders interessante Ergebnisse aufwies. Diese müssen in weiteren Studien noch bestätigt werden, geben aber jetzt schon wichtige Hinweise dafür, dass eine Misteltherapie gerade in Kombination mit den modernen medikamentösen Behandlungsmethoden sinnvoll ist: 

Zu beachten sind in diesem Zusammenhang auch die Ergebnisse aus der Versorgungsforschung

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

Auswirkungen einer additiven Misteltherapie auf das Gesamtüberleben

Schad et al. 2018 [100]

Patient*innen und Methodik

Die Daten für diese nichtrandomisierte multizentrische Beobachtungsstudie bei 158 Patient*innen mit histologisch gesichertem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) im Stadium IV wurden aus dem klinischen Register des Netzwerks Onkologie (NO-Datenbank) erhoben. 

Zur Ermittlung des Einflusses der Misteltherapie auf die Überlebenszeit wurden die Daten von zwei Patient*innengruppen einbezogen, wobei die eine Gruppe mit 108 Patient*innen nur eine Chemotherapie und die andere Gruppe mit 50 Patient*innen eine Kombination aus Chemo- und Misteltherapie erhielt. Es wurden nur Patient*innen ausgewertet, die noch mindestens 28 Tage nach der Diagnosestellung am Leben waren. Das durchschnittliche Alter  betrug ca. 64 Jahre; es gab keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. 

Die Firstline-Chemotherapie bestand aus Platinverbindungen (73,4%), oft in Kombination mit Gemcitabin, Pemetrexed, Vinorelbin oder Etoposid. Die Patient*innen, die eine zusätzliche Misteltherapie erhielten (mit AbonbaVISCUM®, Helixor®, Iscador®), bekamen sie meist s.c. appliziert, teilweise auch in Kombination mit Infusionen (off label).

Ergebnisse

Das mediane Gesamtüberleben betrug in der Gruppe mit zusätzlicher Misteltherapie 17 Monate im Vergleich zu 8 Monaten in der Gruppe, die nur die Chemotherapie erhielt. Der Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,007). Die Ein-Jahres-Überlebensraten betrugen in der Chemotherapiegruppe 35,5 Prozent im Vergleich zu 60,2 Prozent in der Gruppe mit zusätzlicher Misteltherapie und die Drei-Jahres-Überlebensrate betrug 14,2 versus 25,7 Prozent. 

Die adjustierte multivariate stratifizierte Cox-Proportional-Hazard-Analyse zeigte, dass die begleitende Misteltherapie bei NSCLC-Patienten im Stadium IV das Sterberisiko signifikant um 56 Prozent reduzierte, verglichen mit einer alleinigen Chemotherapie (adustierter Hazard Ratio: 0,44, 95% CI = 0,26–0,74, p = 0,002). Zudem reduzierte eine Verlängerung der Misteltherapie auf ≥ 16 Wochen das Sterberisiko signifikant (p = 0,007).

Fazit

Die Ergebnisse dieser Real-World Data Studie deuten darauf hin, dass Patient*innen mit NSCLC im Stadium IV, die eine kombinierte Chemo-/Misteltherapie Therapie erhielten, ein signifikant längeres Überleben aufweisen als Patient*innen, die nur mit einer Chemotherapie behandelt wurden. Da die verfügbaren Daten aber nur Beobachtungsdaten waren, sind weitere prospektive Studien zur Verifizierung der Ergebnisse erforderlich.

Auswirkungen einer additiven Misteltherapie auf die Lebensqualität und chemotherapiebedingten Nebenwirkungen

Bar-Sela et al. 2013 [76]

Patient*innen und Methodik

In diese randomisierten Phase-II-Studie wurden Patient*innen mit inoperablem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) unter Therapie mit Gemcitabin/Carboplatin oder mit Premetrexed/Carboplatin eingeschlossen. Sie wurden durch 1:1-Randomisation in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe mit 33 Patient*innen erhielt zusätzlich den Mistelextrakt Iscador® Qu, die andere Gruppe mit 39 Patient*innen erhielt keine begleitende Therapie. Ziel dieser Studie war es zu prüfen, ob die Misteltherapie die chemotherapiebedingten Nebenwirkungen verringern sowie die Lebensqualität verbessern kann.

Ergebnisse

Die Patient*innen in der Mistelgruppe wiesen signifikant weniger chemotherapiebedingte Nebenwirkungen auf, was zur Folge hatte, dass auch signifikant mehr Chemotherapie-Zyklen gegeben werden konnten. Die progressionsfreie Zeit betrug in der Kontrollgruppe 4,8 Monate, in der Mistelgruppe 6 Monate; das Gesamtüberleben lag bei 13,3 (Kontrolle) bzw. 15,9 Monaten (Mistel). Wegen der kleinen Fallzahl waren diese Unterschiede jedoch nicht signifikant. 

Die Messung der Lebensqualität ergab bis auf die Angabe zu „Schmerzen in der Schulter“ immer einen Vorteil für die Patient*innen in der Mistelgruppe, wobei die Angaben zu „Kribbeln in Händen und Füßen“, „Husten“, „Schluckbeschwerden“, „Haarausfall“, „Brustschmerzen“, „wunder Mund“ und „Bluthusten“ auch klinisch relevant waren.

Es gab nur eine Nebenwirkung vom Grad II in der Mistelgruppe in Form einer übergroßen Lokalreaktion an der Einstichstelle. Somit konnte die Therapie als sicher eingestuft werden.

Fazit

Die additive Gabe eines Mistelpräparates parallel zur Chemotherapie stellt eine vielversprechende Kombination für Patient*innen im späten Stadium des NSCLC dar, die chemotherapiebedingte Nebenwirkungen mindern kann. Diese Ergebnisse sollten in größeren Phase-III-Studien verifiziert werden.

Auswirkungen der ergänzenden Misteltherapie auf die Lebensqualität bei Patienten mit Mamma-, Ovarial- und nichtkleinzelligem Lungenkarzinom

Piao et al. 2004 [31]

Die Ergebnisse dieser Studie für Patient*innen mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom werden im Abschnitt Mammakarzinom besprochen.

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