Wirksamkeit von intravesikalen Mistelextrakt-Instillationen

Eine Dosis-Eskalationsstudie

Eisenbraun 2016 [149]

Patient*innen und Methodik

Bei dieser Studie ging es um die Bestimmung der maximal tolerablen Dosierung, der Sicherheit und Wirksamkeit von intravesikalen Instillationen eines Mistelextraktes bei Patient*innen mit nicht-muskelinvasivem Harnblasenkarzinom. Nach transurethraler Resektion vier Wochen vor Therapiebeginn wurden die Patient*innen in dieser einarmigen Dosis-Eskalationsstudie sechs Wochen lang mit wöchentlichen Instillationen des Mistelextraktes abnobaVISCUM® Fraxini 20 mg behandelt. 

Bei der Resektion war ein Markertumor in der Blase belassen worden. Zwölf Wochen nach Beginn der Instillationen wurde dieser entfernt, falls er noch vorhanden war, oder die Stelle des früheren Markertumors wurde biopsiert, um zu gewährleisten, dass alle Patient*innen zu Beginn der Nachbeobachtung tumorfrei waren. Während der Nachbeobachtung erfolgte alle drei Monate eine klinische Untersuchung, ein Sicherheitslabor sowie eine Zystoskopie durchgeführt. 

Ergebnisse

Insgesamt wurden 36 Patient*innen mit ansteigenden Dosierungen des Mistelextrakts behandelt. Bis zu einer Dosierung von 675 mg Pflanzenextrakt wurde keine dosislimitierende Toxizität gefunden. 

Neben Lokalreaktionen gab es auch Hinweise auf Fieber. Alle Nebenwirkungen waren gut beherrschbar. Bei keiner schwerwiegenden Nebenwirkung wurde ein kausaler Zusammenhang mit der Behandlung vermutet. 

Nach zwölf Wochen wurde eine Remissionsrate des Markertumors von 55,6 Prozent (95 % KI: 38,1–72,1) erreicht. Die nach einem Jahr beobachtete Rezidivrate betrug 26,3 Prozent (95 % KI: 9,1–51,2) und liegt damit im Bereich von Patient*innen mit einem entsprechend der EAU Leitlinie (European Association of Urology) vergleichbaren Risiko. 

Fazit

Mit dieser Studie wurde gezeigt, dass die intravesikale Instillation eines Mistelextrakts bei Patient*innen mit nicht-muskelinvasivem Blasenkarzinom sicher und gut verträglich ist. Diese vielversprechenden Daten zur Wirksamkeit werden zurzeit weiter in einer Phase-III-Studie untersucht.

Wirksamkeit von intravesikalen Mistelextrakt-Instillationen

Eine Phase-III-Wirksamkeitsstudie 

Eisenbraun 2016 [150]

Patient*innen und Methodik

Zur Bestimmung der Sicherheit und Wirksamkeit von intravesikalen Instillationen eines Mistelextraktes nach transurethraler Resektion von nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinomen werden in dieser noch laufenden randomisierten, offenen, aktiv kontrollierten, prospektiven, multinationalen, konfirmativen Phase-III-Studie die Wirksamkeit von intravesikalen abnobaVISCUM® 900- und Mitomycin C (MMC)-Instillationen verglichen. 

Dazu werden Patient*innen mit vollständig reseziertem, nicht-muskelinvasivem Harnblasenkarzinom Stadium Ta mit mittlerem Risiko gemäß der EAU-Guideline (European Association of Urology) und einer Frühinstillation mit MMC 40 mg eingeschlossen und im Verhältnis 1:1 auf die beiden Behandlungsgruppen verteilt. 

Die Studie umfasst zwölf Monate Behandlungszeit und zwölf Monate Nachbeobachtung. Alle Patient*innen erhalten sechs Instillationen einmal pro Woche (Induktionstherapie) sowie eine Erhaltungstherapie bis zum Ende des ersten Jahres. Die Erhaltungstherapie besteht im Mistel-Arm aus einer Instillation alle sechs Wochen und im MMC-Arm aus einer 40 mg Instillation alle zwölf Wochen, also insgesamt 13 bzw. 10 Instillationen bis zum Ende des ersten Jahres.

Die Untersuchungen in der Nachbeobachtung im zweiten Jahr finden alle zwölf Wochen statt. Hauptzielparameter ist die Zeit bis zum Tumorrezidiv, sekundäres Studienziel ist die Sicherheit der abnobaVISCUM® 900-Therapie im Vergleich zur MMC-Monotherapie. 

Ergebnisse

Die Fallzahlberechnung ergab eine Fallzahl von 546 Patienten für die Stufe I und II für beide Studienarme. Mit Stand 2016 wurden 31 Zentren in Deutschland und ein Zentrum in Ägypten rekrutiert. Diese Zahl an Zentren wird als ausreichend für die geplante Rekrutierungsrate erachtet.

Die regulatorischen Voraussetzungen einschließlich der notwendigen Ethikvoten sind erfüllt und die Studie hat eine Empfehlung der AUO (AB40/11, Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft e. V.) erhalten. Die Untersuchungen laufen noch. Nach Abschluss ist eine zeitnahe Publikation geplant.
 

Hochdosis-Misteltherapie zur Prävention von Rezidiven

von Schoen-Angerer et al. 2015 [151]

Patient*innen und Methodik

Bei dieser retrospektiven Fallserie mit 8 Patient*innen sollte untersucht werden, ob sich eine subkutane hochdosierte Misteltherapie mit Iscucin® Salicis (Stärke H) präventiv auf Blasenkarzinomrezidive auswirkt. 

Dafür wurden 7 Patient*innen mit einem nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinom und 1 Patient*in mit einem muskelinvasiven Blasenkarzinom untersucht, die vor der Hochdosis-Misteltherapie teilweise auch BCG und/oder Mitomycin C erhielten. Vier Patient*innen hatten vor der Behandlung häufig wiederkehrende Rezidive, bei allen 8 Patient*innen waren es insgesamt 28 (im Median 3,5 Rezidive pro Patient*in). 

Patient*innen, die auf die Hochdosis-Misteltherapie mit hohem Fieber und Entzündungen an der Injektionsstelle reagierten, erhielten die Injektionen einmal wöchentlich für drei bis acht Wochen. Wenn keine oder nur geringe Reaktionen auftraten, wurden die Injektionen täglich über drei bis vier Tage fortgesetzt, um die gewünschte entzündliche Reaktion zu erreichen. Bei Patient*innen, die auch nach täglicher Verabreichung nur eine geringe oder gar keine Reaktion zeigten, folgten auf die Stärke H wöchentliche oder zweimal wöchentliche Injektionen von Iscucin® Salicis Potenzreihe II.

Ergebnisse

Der mediane tumorfreie Beobachtungs-Zeitraum betrug bei den 8 Patient*innen 48,5 Monate seit Beginn der Hochdosis-Misteltherapie. 5 von 8 Patient*innen waren durch die Therapie über Jahre rezidivfrei, bei 2 Patient*innen war eine Beurteilung nicht möglich und bei 1 Patient*in war die Wirkung nicht sicher der Misteltherapie zuzuschreiben. 

Es wurde keine Tumorprogression beobachtet. Die Behandlung war im Allgemeinen gut verträglich und kein(e) Patient*in beendete die Behandlung wegen der Nebenwirkungen.

Fazit

Eine Hochdosis-Misteltherapie kann bei einzelnen Patient*innen mit rezidivierendem Blasenkarzinom Rückfällen vorbeugen. Zur Verifizierung dieser Ergebnisse sind prospektive Studien notwendig, um festzustellen, ob diese Behandlung eine zusätzliche, blasenschonende Möglichkeit der Prävention bei Patient*innen mit nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs mit mittlerem bis hohem Risiko bietet.

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