Fallberichte zur Misteltherapie bei Mamma-Ca

Misteltherapie beim tumorbedingten Fatigue-Syndrom

Wode et al. 2009 [133]

Diagnose und Therapie

Dieser Fallbericht beschreibt eine 36-jährige alleinerziehende Mutter aus Schweden, bei der zehn Jahre vor der Vorstellung in der Vidarklinik (Järna) ein rezidivierendes Mammakarzinom mit axillärem Lymphknotenbefall diagnostiziert wurde. Sie erhielt eine adjuvante Strahlen- und Hormontherapie, die sie aber nach vier Monaten wegen der Nebenwirkungen abbrach. Acht Jahre später begann die Patientin an extremer Erschöpfung zu leiden; nach einem weiteren Jahr wurde ein Rezidiv festgestellt. Es handelte sich um eine tastbare Metastase am Sternum, die im Gegensatz zum Primärtumor hormonrezeptornegativ war. Das Computertomogramm zeigte zudem zwei kleine Veränderungen in der Lunge, die als mögliche Metastasen angesehen wurden. 

Die Patientin erhielt daraufhin eine palliative Chemotherapie, die sie nach fünf Zyklen wegen schwerwiegender Nebenwirkungen abbrach. Danach wurde das Brustbein einer Strahlentherapie unterzogen. Beide Behandlungen hatten gute klinische und radiologische Erfolge: Die Metastase am Sternum war nicht mehr tastbar und die Folgeuntersuchungen zeigten eine komplette Remission. 

Acht Monate nach der Radiotherapie wurde die Patientin zur Rehabilitation für zehn Tage in die anthroposophisch orientierte Vidarklinik aufgenommen. Ihr Allgemeinzustand war reduziert. Sie litt unter migräneartigen Kopfschmerzen, Schwindel und diffusen Schmerzen am ganzen Körper. Das tumorbedingte Fatigue-Syndrom (CRF), das sie bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung des Primärtumors bemerkte, aber nicht auf die Erkrankung zurückführte, hatte sich nach der Strahlentherapie zwar vorübergehend gebessert, nahm aber nach einigen Monaten wieder deutlich zu, so dass sie mehrere Ruhepausen am Tag einlegen musste. Obwohl sie sich müde fühlte, ging sie aber mehrmals täglich mit ihrem Hund spazieren. Sie schlief gut und fühlte sich weder depressiv noch verängstigt. 

Während ihrer Rehabilitation in der Vidarklinik erhielt die Patientin verschiedene Behandlungen aus der Anthroposophischen Medizin: anthroposophische Arzneimittel, Kunsttherapie, physikalische Therapien und insbesondere eine Misteltherapie mit Iscador® M. Das primäre Ziel der Misteltherapie war die Verbesserung des Allgemeinbefindens, der Lebensqualität und des CRF. Darüber hinaus erhoffte man sich auch, den Verlauf der Krebserkrankung positiv zu beeinflussen. Das Mistelpräparat wurde entsprechend der allgemeinen Therapieempfehlungen subkutan appliziert unt wurde von der Patientin gut vertragen. Nach dem zehntägigen Klinikaufenthalt fühlte sie sich körperlich stärker, innerlich ruhiger und hatte weniger Schmerzen. Nach der Entlassung wurden alle Behandlungen außer der Misteltherapie beendet.

Krankheitsverlauf

Die Misteltherapie wurde über einen Zeitraum von drei Jahren fortgeführt. Aufgrund der großen Entfernung zwischen dem Wohnort der Patientin und der Klinik erfolgte die ärztliche Nachsorge bezüglich der Misteltherapie telefonisch. Dabei richtete sich die Häufigkeit der Telefonate nach den Bedürfnissen der Patientin, wobei die Zeitabstände zwischen Wochen und Monaten variierten. Bei jedem Kontakt wurden die Misteldosis sowie die Angaben über das Allgemeinbefinden und/oder die CRF-Symptomatik ärztlich dokumentiert. 

Während dieser Zeit wechselte die Dosierung von Iscador® erheblich. Die Änderungen in der Dosierung erfolgten auf Empfehlung der beratenden Ärztin, zu den wiederholten Therapiepausen hatte sich die Patientin selbst entschieden. Die Gründe dafür waren eine Besserung der CRF-Symptomatik auf ein zufriedenstellendes Maß und das Unbehagen, eine Krebstherapie zu erhalten, obwohl sie als tumorfrei eingestuft war. 

Insgesamt berichtete die Patientin über eine sehr unterschiedliche Ausprägung der Erschöpfung und ein stark schwankendes Allgemeinbefinden innerhalb des Behandlungszeitraums. Dabei trat eine enge zeitliche Verknüpfung zwischen der Misteltherapie und dem Grad der Erschöpfung sowie dem Allgemeinzustand der Patientin auf. Das übliche Muster bestand aus einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes und einer Zunahme der Erschöpfung, wenn längere Behandlungspausen oder Dosisreduktionen vorgenommen wurden, und einer Verbesserung, wenn die Misteltherapie wieder begonnen oder intensiviert wurde. Alles in allem konnte die Patientin die CRF-Symptomatik nie komplett überwinden, ihre Leistungsfähigkeit blieb dauerhaft eingeschränkt, und sie war weiterhin krankgeschrieben.

Nach 30 Monaten verschlechterte sich ihr Allgemeinzustand wieder. Sie hatte starke Rückenschmerzen, litt an Magenschmerzen und unter Gewichtsverlust, sodass der Verdacht eines Rezidivs aufkam, der aber nicht bestätigt werden konnte. Nach insgesamt 36 Monaten beendete die Patientin die Misteltherapie wegen starken Schwitzens bei Injektion der hohen Misteldosen und weil sie eine Krebstherapie nicht dauerhaft fortsetzen wollte, obwohl sie als tumorfrei galt.

Fazit

Der Fallbericht ist bemerkenswert, da bei der Patientin während der zweieinhalbjährigen Behandlungs- und Beobachtungsdauer mit dem Mistelextrakt starke Schwankungen in der CRF-Symptomatik und dem Allgemeinbefinden in Abhängigkeit von der Anwendungshäufigkeit und Misteldosis beobachtet werden konnten. So führten Dosisreduktionen und Therapiepausen zu einer Verschlechterung der CRF-Symptomatik und des Allgemeinbefindens, während eine Dosissteigerung oder die Wiederaufnahme der Therapie mit einer Verbesserung der CRF-Symptomatik und des Allgemeinbefindens einhergingen.

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

Go to Heaven