Fallberichte zur Misteltherapie beim malignen Melanom

Vollständige Metastasenremission und deutlich verlängerte Überlebenszeit durch eine hochdosierte, fieberinduzierende Misteltherapie

Werthmann et al. 2017 [168]

Diagnose und Therapie

Dieser Fallbericht handelt von einer 61-jährigen Patientin mit einem metastasierten malignen Melanom an der linken Ohrmuschel (pT1aN0), das chirurgisch entfernt wurde. Nach vier Jahren und vier Monaten zeigte sich ein Rezidiv an der linken Ohrmuschel, das wiederum entfernt wurde. 
Zusätzlich begann die Patientin eine Behandlung mit subkutanen Mistelinjektionen (Iscador® P c Hg Serie I), das dreimal pro Woche gespritzt wurde. Elf Monate später zeigte ein PET-CT Lymphknotenmetastasen im Bereich der linken Parotis und links hilär. Diese Befunde wurden mittels Biopsie bestätigt. Der Patientin wurde eine systemische Therapie mit Dacarbazin/Ipilimumab empfohlen, was die Patientin jedoch ablehnte. Stattdessen wurde die Misteltherapie über die nächsten zwei Jahre hinsichtlich der Dosierung, der Präparate und der Applikationsform intensiviert, um eine stärkere Wirkung auf das Tumorgewebe zu erreichen. 

Krankheitsverlauf

Die subkutane Behandlung wurde umgestellt auf Iscador® P 60 mg (= 3 Ampullen à 20 mg) dreimal pro Woche; außerdem erhielt die Patientin etwa alle zwei Wochen intravenöse Mistel-Infusionen in ansteigenden Dosierungen (off label), um eine Fieberreaktion zu provozieren und das Immunsystem gegen das Tumorgewebe zu stimulieren. Die Dosierung richtete sich dabei nach den Reaktionen. Insgesamt erhielt die Patientin im Zeitraum von zwei Jahren 36 intravenöse Misteltherapien mit Dosierungen von bis zu 2.200 mg Mistelextrakt. 

Weiterhin erfolgten im Bereich der Parotis intraläsionale Behandlungen in die Metastase hinein mit Viscum album Qu F (Magistralpräparat) in ansteigender Dosierung bis zu 200 mg, um eine zytotoxische Wirkung gegen die Tumorzellen, eine verstärkte Immunprozessierung von Tumorantigenen und eine verstärkte Immunantwort gegen das Tumorgewebe zu bewirken. Für die Dauer von zwei Jahren erhielt die Patientin 26 intraläsionale Misteltherapien. Nach der intensivierten Behandlungszeit von zwei Jahren wird die subkutane Misteltherapie bis heute fortgeführt. 

Die anderen Applikationsformen werden mit längeren Abständen ebenfalls fortgeführt. Nebenwirkungen waren fieberassoziierte Symptome wie Gliederschmerzen, Schüttelfrost und teilweise starke Übelkeit. Diese waren auf die Zeit der Behandlung und des Fiebers beschränkt. Lokale Hautreaktionen im Bereich der Injektionsstellen bildeten sich innerhalb von zwei bis drei Tagen zurück. Abgesehen von den beschriebenen Symptomen wurde die Behandlung gut vertragen, und es traten keine weiteren Nebenwirkungen während des gesamten Verlaufs auf. 

In den regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen mittels PET-CT zeigte sich eine Rückbildung der regionalen und hilären Metastasen. Zwölf Monate nach Beginn der intensivierten intravenösen und intraläsionalen Misteltherapie war keine Aufnahme von Fludesoxyglucose (FDG) in der Metastase im Bereich der linken Parotis mehr zu sehen; die Aufnahme im Bereich des Hiluslymphknotens war deutlich zurückgegangen. 

Nach weiteren zwölf Monaten konnten im PET-CT keine auffälligen Läsionen mehr gesehen werden. Die weiteren Nachsorgeuntersuchungen erfolgten alle zwölf Monate und zeigten keine Hinweise mehr auf die Tumorerkrankung. 

Während der gesamten Behandlungszeit der metastasierten Tumorerkrankung wurde keine andere krebsspezifische Therapie eingesetzt. Zum Zeitpunkt der Publikation, fünf Jahre nach Diagnose der Metastasen und zehneinhalb Jahre nach Erstdiagnose, ist die Patientin weiterhin tumorfrei, bei guter Gesundheit und ohne funktionelle Einschränkungen.

Fazit

Aufgrund dieses Falls und zuvor berichteter Fälle ist eine positive Wirkung von Mistelextrakten beim metastasierten malignen Melanom anzunehmen, insbesondere wenn Mistelextrakte in höherer Dosierung angewandt werden. Es wird angenommen, dass die Misteltherapie eine vermehrte Ausschüttung von Tumorantigenen, eine vermehrte Immunprozessierung der Tumorantigene und damit eine verstärkte Immunantwort gegen das Tumorgewebe bewirkte, die zur vollständigen Remission geführt haben.

Weitere Forschung zu Sicherheit und Effektivität einer hochdosierten intravenösen und intraläsionalen Misteltherapie – insbesondere beim metastasierten malignen Melanom – sollte erfolgen.

 

Letzte Aktualisierung: 4. September 2019/AB

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