Die Wirkungen einer Misteltherapie

Wirkung und Wirksamkeit Schwierige Forschung

Wesentliche Wirkungen der Misteltherapie:

  • Das Abwehrsystem wird im Sinne einer Immunmodulation aktiviert.
  • Die Anzahl der Abwehrzellen nimmt wieder zu, wenn sie vorher verringert war. 
  • Das Wachstum der Krebszellen wird verringert (Proliferationshemmung).
  • Krebszellen werden angeregt abzusterben (Apoptose). 
  • Die Erbsubstanz der gesunden Zellen wird vor den schädlichen Wirkungen der Chemotherapie geschützt, ohne deren Wirkung auf die Krebszellen zu beeinträchtigen. 
  • Eine Strahlentherapie richtet an gesunden Zellen weniger Schaden an und wird besser vertragen. 

Am besten geprüft sind die deutlich positiven Wirkungen einer Misteltherapie auf die Lebensqualität. Viele Studien zeigen auch positive Effekte auf das tumorbedingte Fatigue-Syndrom.

Anders als eine Chemo- oder Strahlentherapie, die beide den Krebs möglichst nachhaltig schädigen sollen, weckt eine Misteltherapie die Gesundungskräfte. Sie führt dazu, dass die Patienten wieder neuen Mut schöpfen, aktiv am Leben teilnehmen und auch an der Therapie mitwirken können. Sie haben das Gefühl, selbst etwas für sich tun zu können und nicht nur den Maßnahmen der Ärzte ausgesetzt zu sein. 

Ob ein Arzneimittel eine Krankheit positiv beeinflussen kann, wird daran gemessen, ob es wirksam ist. Die Wirkung bemisst sich daran, ob das Mittel die Körperfunktionen beeinflusst. Die Wirksamkeit beschreibt, ob die Wirkung den Krankheitsverlauf beeinflusst: Wird das Überleben verlängert, das Tumorwachstum gebremst, Metastasen verringert, die Lebensqualität verbessert?

Um die Evidenz zu ermitteln, sollten alle Studien herangezogen werden, die den medizinischen Alltag und die Lebenswirklichkeit der Patient*innen abdecken, so zusätzlich zu randomisiert-kontrollierten Studien zum Beispiel Beobachtungsstudien, Kohortenstudien, Studien der Versorgungsforschung, Real World Data Studien, epidemiologische Studien und Fallberichte.  

Wirkung und Wirksamkeit

Ob ein Arzneimittel eine Krankheit positiv beeinflussen kann, wird daran gemessen, ob es wirkt, und ob es wirksam ist. Die Wirkung bemisst sich daran, ob das Mittel die Körperfunktionen beeinflusst: Es senkt z. B. den Blutdruck, es hemmt ein Enzym, es verlangsamt den Herzschlag, es aktiviert – wie die Mistel – das Immunsystem. Das Instrumentarium dafür ist weitgehend vorgegeben und allgemein anerkannt (Blutdruckmessgerät, Laboranalysen, EKG, Ultraschall, CT, MRT als bildgebende Verfahren u.a.). 

Die Wirksamkeit dagegen beschreibt, ob diese Wirkung den Krankheitsverlauf im erwünschten Sinne therapeutisch beeinflusst. Bei Krebs heißt das: Kann ein Mittel das Überleben verlängern, das Tumorwachstum bremsen, Metastasen beseitigen, die Lebensqualität verbessern?

Bei der Festlegung der therapeutischen Wirksamkeit orientieren sich die Wissenschaftler heute vor allem an der "evidenzbasierten Medizin" (EBM), deren "Goldstandard" die randomisierte (die Probanden werden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt), prospektive (in die Zukunft gerichtete), placebo-kontrollierte (gegen ein Scheinmedikament geprüft) Doppelblind-Studie (weder Ärzt*innen noch Patient*innen wissen, wer das Medikament und wer das Placebo bekommt) ist. Auf diese Weise sollen subjektive Einflüsse, die die Wirkung eines Arzneimittels beeinflussen können, möglichst ausgeschaltet werden.

Zeigen eine oder mehrere solcher Studien einen positiven Effekt, gilt die Wirksamkeit eines Medikamentes als erwiesen. Mit solchen Studien lässt sich also gut die Frage untersuchen, ob eine bestimmte Therapie unter genau definierten Umständen für eine bestimmte Patientengruppe vorteilhaft ist und unter welchen Umständen. 

Diese meist künstlichen Studienbedingungen entsprechen häufig nicht dem Lebensalltag und auch nicht der klinischen Praxis. Eine randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) deckt nur einen Teilbereich der Lebenswirklichkeit ab. Sie hat oft nur eine kurze Beobachtungszeit, bei chronischen Erkrankungen – vor allem bei Krebs – ist jedoch eine längerfristige Therapie nötig. Die aufzunehmenden Patient*innen werden gezielt nach bestimmten Kriterien ausgewählt, so dürfen sie z. B. meist keine weiteren Begleiterkrankungen haben. Die Folge ist, dass der Wirksamkeitsnachweis nur für einen bestimmten Anteil der Menschen erbracht wurde, aber nicht unbedingt der großen Mehrheit der Betroffenen entspricht, für die das Medikament in Frage kommt. Streng genommen kann das Ergebnis deshalb auch nur auf Patient*innen übertragen werden, die dem geprüften Setting entsprechen.  

Hinzu kommt, dass RCTs sehr teuer sind, die Kosten dafür bewegen sich im siebenstelligen Euro-Bereich. Solche Forschungsgelder können nur große pharmazeutische Firmen investieren, die sich davon die Zulassung eines neuen Wirkstoffs versprechen oder die Erweiterung der Anwendungsbereiche für einen bestimmten Wirkstoff. Die Herstellerfirmen von Mistelpräparaten können sich mit solchen Konzernen nicht messen, und öffentliche Institutionen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder das Bundesministerium für Bildung und Forschung investieren in komplementärmedizinische Forschung so gut wie keine Mittel. 

Um die Evidenz eines Verfahrens umfassend zu ermitteln, ist es deshalb wichtig, nicht nur RCTs, sondern ebenso andere Studien mit heranzuziehen, die weitere Aspekte und Fragestellungen auch des medizinischen Alltags und der Lebenswirklichkeit der Patienten abdecken, so z. B. Kohortenstudien, Studien aus der Versorgungsforschung, Real World Data Studien, epidemiologische Studien oder Fallberichte.

Schwierige Forschung

Dass es so wenige randomisiert-kontrollierte Studien zur Misteltherapie gibt, hat aber noch weitere Gründe: 

  • Viele Krebskranke wollen sich nicht nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen einteilen lassen. Sie wollen möglichst das Medikament erhalten, von dem man sich einen Vorteil verspricht – schließlich möchte man gerade bei Krebs keine Behandlungsmöglichkeit ungenutzt lassen. Deshalb sind schon diverse Studien daran gescheitert, dass die erforderliche Anzahl von Proband*innen nicht zustande kam. 
  • Mistelpräparate sind rezeptfrei erhältlich und somit allgemein zugänglich. Es lässt sich kaum kontrollieren, ob jemand im Rahmen einer Studie nicht doch heimlich auch Mistel spritzt, was die Studienergebnisse dann natürlich verfälscht. 
  • Da die Mistel meist eine Lokalreaktion verursacht, die als Maß für die Dosierung herangezogen wird, lässt sie sich kaum gegen ein Scheinmedikament prüfen. Man sieht sofort, ob jemand das "richtige" Präparat bekommt oder nicht.
  • Das erschwert auch eine Verblindung. 
  • Die Misteltherapie ist eine sehr individuelle Therapie. Für randomisiert-kontrollierte Studien ist aber ein möglichst gleichbleibendes Behandlungsschema erwünscht, um die Patient*innen untereinander vergleichbar zu machen. 

All das führt dazu, dass viele rein schulmedizinisch orientierte Onkolog*innen die Studienlage zur Misteltherapie als unzureichend einstufen. Machen Sie sich doch am besten selbst ein Bild über das, was die Wissenschaft bis heute herausgefunden hat! 

 

Letzte Aktualisierung: 3. September 2019/AB

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