
Eine Misteltherapie kann auch vor und während einer Chemo- oder Strahlentherapie erfolgen. Dies ist sogar sinnvoll, weil die Misteltherapie die Neben- wirkungen dieser konventio- nellen Behandlungsverfahren abmildern kann.
Bei der GAÄD (www.anthroposophische-aerzte.de) können Sie sich nach einem in der Misteltherapie erfahrenen Arzt erkundigen.

Auch bei einem Lymphom ist eine Misteltherapie möglich. Sie wird gut vertragen und kann positive Effekte haben.
An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zur Misteltherapie bei Krebs zusammengefasst. Die Aufzählung rechts ermöglicht Ihnen, einzelne Fragen direkt gezielt anzuklicken.
Bitte beachten Sie, dass vieles, was hier angesprochen wird, noch kontrovers diskutiert wird. Die Antworten stützen sich auf die klinischen und praktischen Erfahrungen von in der Misteltherapie erfahrenen Ärzten. Falls die Ihnen von Ihrem Arzt gegebenen Empfehlung von den hier gemachten Äußerungen abweicht, sollten Sie mir Ihrem Arzt darüber sprechen.
Therapiezeitpunkt und -verlauf
Eine Misteltherapie kann jederzeit beginnen. Wir halten den Zeitpunkt unmittelbar nach der Diagnose, noch vor der Operation, wenn eine solche geplant ist, für am günstigsten. Da die Misteltherapie das Immunsystem stimulieren und somit die Abwehrbereitschaft fördern kann, gehen wir davon aus, dass sie so den Körper bestmöglich auf die Belastung, die eine Operation für den Organismus bedeutet, vorbereitet. Aber auch ein späterer Beginn ist möglich.
Ja – das das halten wir sogar für sinnvoll, denn eine Misteltherapie kann die unerwünschen Wirkungen, die bei einer Chemo- oder Strahlentherapie auftreten, abmildern. Allerdings ist unbedingt darauf zu achten, dass die Spritze außerhalb des Bestrahlungsfelds gegeben wird, sonst kann sich die Haut stark entzünden.

Ja. Sie kann die Lebensqualität verbessern und den Organismus kräftigen. Oft kehrt der Appetit zurück, die Gewichtsabnahme hört auf, der Schlaf verbessert sich, und die Lebensgeister regen sich wieder. Möglicherweise lässt sich auch das Krebswachstum bremsen.

Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort mit "ja" oder "nein". Onkologen, die einer Misteltherapie kritisch gegenüberstehen, raten bei Lymphomen von einer Misteltherapie eher ab. Sie befürchten vor allem, dass die Misteltherapie das Wachstum des Lymphoms eher stimulieren als hemmen könne. Diese Überlegung basiert auf theoretischen Annahmen aus der Grundlagenforschung. In der Praxis bzw. aus der klinischen Erfahrung lässt sich diese Befürchtung bisher nicht bestätigen. Negative Auswirkungen der Misteltherapie bei Lymphomerkrankungen sind bisher nicht dokumentiert, im Gegenteil: die positiven Erfahrungen überwiegen. Auch eine langjährige Mistelbehandlung wird gut vertragen und kann die Krankheit positiv beeinflussen. Wichtig ist jedoch gerade bei diesen Tumorarten, dass die Misteltherapie von einem darin erfahrenen Spezialisten gemacht wird, weil die Dosierung sehr genau entsprechend der Befunde und des Befindens austariert werden muss.

Sie können bei der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland anfragen (Kontakt), wo in Nähe Ihres Wohnortes ein in der Misteltherapie erfahrener Arzt praktiziert.

Eine Misteltherapie ist grundsätzlich eine langfristige Therapie. Meist erstreckt sie sich über mehrere Jahre, mit dem Ziel, den Organismus zu stärken. Wie lange die Therapie im Einzelfall dauert, hängt davon ab, wie sich die Krankheit entwickelt und wie der Organismus auf die Therapie reagiert.

Meist werden zu Beginn einer Misteltherapie einmal die Blutwerte bestimmt und im Verlauf der Behandlung in größeren Abständen wiederholt kontrolliert. Solche Laborkontrollen sind allerdings nicht zwingend nötig. Jeder Arzt entscheidet hier aufgrund der Krankheitssituation, welche Untersuchungen im Einzelfall erforderlich sind.

Ja, aber das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Tumormarker ändern sich in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf. Wenn sich der Allgemeinzustand verbessert oder sich der Tumor unter der Misteltherapie zurückbildet, sinken auch meist die Tumormarker.

Nein, bisher sind keine Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bekannt. Ob sich eine Misteltherapie mit anderen biologischen Krebstherapien (z.B. immunmodulierenden Substanzen wie z.B. Thymusextrakt) verträgt, ist bislang wenig untersucht worden. Deshalb sollte eine solche Behandlung in der Hand eines Arztes bleiben, der über entsprechende Erfahrung damit verfügt.

Es kann sein, dass sich unter einer Misteltherapie die Dosis an Schmerzmitteln verringern lässt. Die Intensität des Schmerzes hängt vom Allgemeinbefinden und Kräftezustand ab. In dem Maße, in dem sich das Befinden bessert und die Kraft zurückkehrt, lassen auch Schmerzen nach.

Es gibt kein „richtiges“ oder „falsches“ Mistelpräparat. Die häufigsten Gesichtspunkte für die Auswahl des Mistelextrakts sind Tumorart und -stadium, die persönliche Erfahrung des Arztes, die individuelle Situation des Patienten und vor allem die Frage, was mit der Misteltherapie erreicht werden soll. Auf diesem Hintergrund versucht der Arzt herauszufinden, welches Präparat am besten passt. Menschen, die sehr empfindlich auf Arzneimittel reagieren, sollten anfangs ein sehr niedrig dosiertes Mistelpräparat bekommen – dafür gibt es von einigen Herstellern spezielle Präparatereihen mit besonders niedrigen Anfangskonzentrationen.

Jeder approbierte Arzt kann Mistelpräparate verordnen.
Ja, die gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine anthroposophische Misteltherapie mit abnobaVISCUM, Helixor, Iscador und Iscucin zu jedem Zeitpunkt der Krankheit. Die Kosten für Isorel werden von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen, weil das Präparat in Deutschland nicht zugelassen ist, sondern nur in Österreich und somit über die Internationale Apotheke besorgt werden muss.
Bei den nicht anthroposophischen Präparaten Cefalektin, Eurixor und Lektinol werden die Kosten nur in der „palliativen“ Therapiesituation übernommen. Das heißt, zur unterstützenden Behandlung, wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist.

Viele Ärzte halten die Misteltherapie für unwissenschaftlich. Das lässt sich jedoch nicht aufrecht erhalten, wie die wissenschaftlichen Informationen dieser Webseite deutlich zeigen. Die Misteltherapie ist mit über 100 klinischen Studien unterschiedlicher Qualität und mehreren hundert präklinischen Laborstudien eines der am intensivsten wissenschaftlich erforschten Verfahren der Komplementärmedizin.

Das wird immer wieder behauptet, entbehrt aber jeder Grundlage. Bisher gibt es weder in Laborversuchen noch in den mittlerweile über 100 klinischen Studien einen stichhaltigen Hinweis darauf, dass eine Misteltherapie das Tumorwachstum stimulieren könne.
Die Annahme beruht zum einen auf Laborversuchen an Zelllinien, die inzwischen jedoch widerlegt wurden. Zum anderen wurde vor Jahren in einem Vortrag auf einem Internationalen Krebskongress die Behauptung in die Welt gesetzt, dass eine Misteltherapie bei der Behandlung von Hautkrebs (malignes Melanom) das Entstehen von Hirnmetastasen fördern könne. Das haben mehrere wissenschaftliche und allgemeine Publikationen ungeprüft aufgegriffen und verbreitet. Als 2004 die Studie dazu endlich veröffentlicht wurde (Kleeberg 2004), fand sich darin jedoch darauf kein weiterer Hinweis mehr. Im Gegenteil: Eine Analyse von Patientendaten an der Universitäts-Hautklinik Freiburg zeigte, dass eine Misteltherapie bei Hautkrebs sich sogar positiv auf den Krankheitsverlauf und das Überleben auswirken kann, vorausgesetzt, sie dauert länger als ein Jahr und wird mit einem Kiefernmistelextrakt vorgenommen (Augustin 2005).
Nebenwirkungen

Nein, die Rötung an der Einstichstelle der Mistelspritze ist ein Zeichen dafür, dass der Organismus auf die Mistel reagiert. Diese kleine, örtlich begrenzte Entzündung ist ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem reagiert.

Nein, auch das ist noch kein Hinweis für eine Allergie. Der Juckreiz kann entstehen, wenn sich die durch den Mistelextrakt ausgelöste örtlich begrenzte leichte Entzündung zurückbildet.
Nein, im Gegenteil! Fieber bis 38° C ist erwünscht, weil es den Organismus wieder in die Lage versetzt, die Körpertemperatur zu regulieren. Diese Fähigkeit ist bei einer Krebserkrankung häufig geschwächt. Viele Krebspatienten, die immer wieder frösteln, fühlen sich im Anschluss an die Mistelspritze angenehm durchwärmt.
Selbst wenn im Rahmen einer Mistel-Infusion hohes Fieber entsteht (bis 39,5° C), ist dies therapeutisch sinnvoll und gewollt. Der Organismus bekommt dadurch einen starken Impuls, die Abwehrleistung zu steigern. Das Fieber klingt innerhalb von sechs bis acht Stunden wieder ab. Eine so starke Reaktion ist aber nur in bestimmten Situationen gewollt, zum Beispiel, wenn der Organismus zu unempfindlich geworden ist und eine Mistelspritze in die Haut nicht mehr ausreicht, um eine entsprechende Antwort des Immunsystems hervorzurufen. Eine solche „Provokation“ gehört jedoch in die Hand des erfahrenen Misteltherapeuten und muss genau dosiert werden. Denn es ist nicht erwünscht, einem zu schwachen Organismus eine Leistung abzuverlangen, die zu erbringen er nicht in der Lage ist. Eine solche Überstimulation bewirkt das Gegenteil dessen, was erwünscht ist: sie schwächt den Organismus eher als dass sie ihn stärkt.
Zum Spritzen

Ja, meistens. In Form von Tabletten würden die eiweißhaltigen Mistelextrakte im Magen „verdaut“ und unwirksam gemacht. Bei Kindern, deren Schleimhäute noch wesentlich durchlässiger sind als die von Erwachsenen, werden manchmal auch Misteltropfen eingesetzt. Die Wirkstoffe gelangen dann über die Mundschleimhaut ins Blut. Da es in Deutschland keine vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassenen Misteltropfen gibt, müssen die Präparate aus England über die Internationale Apotheke bezogen werden (und werden deshalb von den Kassen nicht bezahlt).
Nein, es ist allenfalls als kleiner Pieks zu spüren. Die Nadel, mit der gespritzt wird, ist extrem fein und dünn. Außerdem kann jeder Patient sich eine Stelle zum Spritzen suchen, an der der Körper möglichst schmerzunempfindlich ist. Zu Beginn sollte das Spritzen am besten vom Arzt oder von einer Sprechstundenhilfe bzw. (in der Klinik) einer Pflegekraft zeigen lassen – sie haben damit am meisten Erfahrung und kennen viele Tricks und Kniffe, wie man schmerzarm spritzt.
Nein, es kann auch an anderen Stellen gespritzt werden, wenn dies subjektiv angenehmer scheint. Bauch und Oberschenkel sind lediglich am bequemsten zu erreichen. Optimal wäre es, die Mistel in der Nähe des Tumors zu spritzen. Wenn das unzugänglich ist oder besonders weh tut, kann auch eine andere Stelle – eben Bauch, Oberschenkel oder -arm gewählt werden.

Vermutlich ist die Nadel dann zu tief eingestochen worden und der Mistelextrakt wurde im Unterhautfettgewebe deponiert anstatt unter der Oberhaut. Dann verteilt sich die Flüssigkeit nicht richtig und es bilden sich feste, teils schmerzhafte Knoten. Sie bilden sich innerhalb von mehreren Tagen zurück, manchmal dauert es auch einige Wochen, bis der Knubbel wieder vollständig verschwunden ist.
Nein, wer eine Abneigung dagegen hat, sich selbst zu spritzen, kann das auch an eine Hilfsperson delegieren. Auch die Sprechstundenhilfe des behandelnden Arztes kann die Spritze geben.

Wenn es darauf ankommt, die Aktivität des Organismus anzuregen, ist es sinnvoll, in die ansteigende Körpertemperatur hinein zu spritzen, also morgens (zwischen 7 und 9 Uhr). Soll eher die wärmende Seite der Mistel betont werden, ist es ratsam, zur Zeit des Körpertemperaturmaximums zu spritzen, also gegen Abend (zwischen 17 und 18 Uhr). Zwischen diesen beiden Anwendungsarten sollte nicht ständig hin- und hergewechselt werden. Aber grundsätzlich ist nach einiger Zeit eine Änderung möglich. Wichtig ist, nach der Spritze eine halbe Stunde zu ruhen (bzw. morgens nicht gleich aufzustehen).
Normalerweise spritzt man ja nicht in dieselbe Stelle wieder hinein. Aber trotzdem sollte man mit der nächsten Spritze warten, bis die Rötung der vorigen Injektion völlig abgeklungen ist, sonst kann es sein, dass sich die alte Rötung so verstärkt, dass eine heftige und schmerzhafte Entzündungsreaktion entsteht. Eine Rötung, die nicht innerhalb von zwei Tagen abklingt, ist meist größer als zwei bis vier Zentimeter und somit ein Hinweis dafür, dass die Dosis des Mistelextrakts zu hoch ist oder dass falsch gespritzt wurde.
Letzte Überarbeitung: 6. September 2010
Annette Bopp
Zu Therapiezeitpunkt und -verlauf
Wann soll die Misteltherapie beginnen?
Kann man eine Misteltherapie auch während Chemo- und Strahlentherapie machen?
Macht die Misteltherapie Sinn, wenn schon Metastasen da sind?
Kann man auch bei einem Lymphom eine Misteltherapie machen?
Wo finde ich Mistel-Spezialisten?
Wie lange dauert die Behandlung?
Müssen die Blutwerte kontrolliert werden?
Beeinflusst die Misteltherapie die Tumormarker?
Stört die Mistel die Wirkung anderer Medikamente?
Kann eine Misteltherapie Schmerzen lindern?
Welches Mistelpräparat ist das richtige?
Wer darf Mistelpräparate verschreiben?
Übernehmen die Kassen die Kosten?
Warum sind so viele Ärzte gegen die Misteltherapie?
Kann die Mistel das Tumorwachstum fördern?
Zu den Nebenwirkungen
Ist der rote Fleck eine Allergie?
Der rote Fleck juckt – ist das eine Allergie?
Ist es nicht gefährlich, wenn durch die Mistel Fieber entsteht?
Zum Spritzen
Müssen Mistelpräparate immer gespritzt werden?
Tut das Spritzen weh?
Müssen es Bauch oder Oberschenkel sein?
An der Einstichstelle bilden sich Knubbel. Warum?
Muss ich unbedingt selbst spritzen?
Zu welcher Uhrzeit soll gespritzt werden?
Was ist zu tun, wenn die nächste Spritze fällig, die Rötung aber noch nicht abgeklungen ist?