Stumpf et al. 1994 [1]

Studienbeschreibung

Im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke wurde eine prospektive Studie (Phase II Studie) zur Behandlung des malignen Pleuraergusses mit Mistelextrakten durchgeführt. Anlass waren die vielfach publizierten guten Ergebnisse des Wiener Lungenchirurgen Salzer und seiner Kollegen [2-7]. Alle im Zeitraum Januar 1990 bis Dezember 1991 im Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus aufgrund eines behandlungsbedürftigen Pleuraergusses (bei Pleuritis carcinomatosa) behandelten Patienten wurden in diese Studie aufgenommen. Zur Behandlung wurde das Mistelpräparat Helixor verwendet.
Mittels Pleurapunktion wurde bei jeder Sitzung zunächst Ergussflüssigkeit entnommen (höchstens 1500 ml) und danach der Mistelextrakt instilliert. Alle Patienten hatten vor dieser Behandlung bereits eine subkutane Therapie mit Mistelextrakten erhalten; für die Instillation wurde der gleiche Wirtsbaum (Abietis, Mali, Pini) beibehalten. Vor Instillation wurde der Mistelextrakt mit physiologischer Kochsalzlösung auf ein Gesamtvolumen von 10 ml verdünnt. Die Dosis der ersten Instillation war 100 mg, bei weiteren Instillationen wurde um je 100 mg erhöht, bei einem Patienten bis maximal 1000 mg. Im Schnitt wurde 7-mal instilliert.
Der Verlauf wurde entsprechend offizieller Empfehlungen der WHO klassifiziert. Hiernach liegt eine komplette Remission vor, wenn innerhalb von vier Wochen nach der letzten Punktion kein weiterer Erguss feststellbar ist; dagegen handelt es sich um eine partielle Remission , wenn innerhalb von vier Wochen zwar ein weiterer Erguss festgestellt wird, dieser aber nicht punktionsbedürftig ist; und schließlich liegt ein Misserfolg vor (no change, progressive disease), wenn innerhalb von vier Wochen ein weiterer, punktionsbedürftiger Erguss auftritt.

Ergebnisse

20 Patienten wurden prospektiv erfasst; zwei Patienten waren bereits zu Therapiebeginn moribund und starben innerhalb der ersten Woche nach der ersten Instillation; sie wurden deshalb nicht in die Auswertung aufgenommen. Von den 18 auswertbaren Patienten kam es bei 11 zur Pleurodese, bei 2 zu einem partiellen Ansprechen und bei 4 zu einem Therapieversagen. Eine weitere Patientin war 15 Tage nach der letzten Instillation an der Primärerkrankung verstorben; in diesen 15 Tagen hatte sich zwar kein neuer Erguss mehr gebildet, dennoch musste die Bewertung der Therapie offen bleiben. Die Gesamtansprechrate betrug somit 72%; Nebenwirkungen gab es in 1,2%. Diese Ergebnisse wurden mit denen sonstiger, zu der Zeit etablierten Pleurodeseverfahren verglichen. Die Ergebnisse zeigen Tabelle1 und Tabelle2.

Die Ansprechrate unter Instillation des Mistelextrakts (72%) zeigte dieselbe Größenordnung wie die konventioneller Verfahren (70 – 85% bei Tetrazyklin, Fibrinkleber oder Mitoxantron). Die Nebenwirkungen waren unter der Mistelbehandlung erheblich niedriger (unter Tetrazyklin, Fibrinkleber und Mitoxantron traten Fieber, Schmerzen, Husten, Thrombo- oder Leukopenie und Fistelbildung mit einer Häufigkeit von 33%, 42%, 16%, 23%, 8% bzw. 8% auf, unter Misteltherapie traten Schmerzen und Brennen mit je 1% Häufigkeit auf, s. Tabelle 2).

Resümee und Kommentar:

Es handelt sich um eine kleine, aber gut durchgeführte Studie. Die Patienten wurden unselektiert aufgenommen und dokumentiert, der Therapieerfolg wurde entsprechend der WHO-Empfehlungen dokumentiert. Interessant ist in dieser Studie weniger der Vergleich der Ansprechraten, sondern der Vergleich der Nebenwirkungen mit denen gängiger konventioneller Verfahren zur Pleurodese. Diesbezüglich zeigte sich die Misteltherapie deutlich überlegen. Dieser Vergleich ist deshalb zulässig, da prognoserelevante Faktoren weniger Auswirkungen auf das Auftreten von Nebenwirkungen haben als auf den Therapieerfolg. Zu beachten ist, dass der Mistelextrakt wiederholt instilliert werden muss.
Diese Studie sollte Anlass geben für weitergehende Untersuchungen.

Dr. med. Gunver S. Kienle
März 2009

Literaturverzeichnis

(1) Stumpf C, Schietzel M. Intrapleurale Instillation eines Extraktes aus Viscum album [L.] zur Behandlung maligner Pleuraergüsse. Tumordiagnose u.Therapie [15], 57-62. 1994.
(2) Salzer G. Die lokale Behandlung carcinomatöser Pleuraergüsse mit dem Mistelpräparat Iscador. Österreichische Zeitschrift für Onkologie 4[1], 13-14. 1977.
(3) Salzer G, Müller H. Die lokale Behandlung maligner Pleuraergüsse mit dem Mistelpräparat Iscador. Prax.Pneumol. 32[11], 721-729. 1978.
(4) Salzer G. Pleura carcinosis. Oncology 43[1], 66-70. 1986.
(5) Salzer G. 30 Jahre Erfahrung mit der Misteltherapie an öffentlichen Krankenanstalten. Leroi R, Editor. Misteltherapie. Eine Antwort auf die Herausforderung Krebs. 173-215. 1987. Stuttgart, Verlag Freies Geistesleben
(6) Salzer G, Popp W. Die lokale Iscadorbehandlung der Pleurakarzinose. Jungi WF, Senn H-J, editors. Krebs und Alternativmedizin II. 36-49. 1990. Berlin - Heidelberg, Springer-Verlag.
(7) Böck D, Salzer G. Iscadorbehandlung maligner Pleuraergüsse - Cytologische Befunde und klinische Ergebnisse. Wolff O, editor. Die Mistel in der Krebsbehandlung. 3., 123-135. 1985.