Auf einen Blick

Der in den Mistelbeeren bereits fertig angelegte Embryo kann nicht von selbst austreiben, sondern ist darauf angewiesen, dass die derbe Beerenhülle von einem Vogel aufgerissen wird. Mistel-Embryonen sind sehr langlebig und bleiben monatelang keimfähig – vorausgesetzt, sie erhalten genügend Licht.

Bunte Mischung

Laubbaummisteln müssen nicht unbedingt auf derselben Baumart auskeimen: Apfelbaummisteln wachsen auch auf Pappeln, Ulmen, Weiden oder Birken – und umgekehrt.

Der Vogel macht’s

Bei ihrer Vermehrung ist die Mistel vor allem auf zwei Vogelarten angewiesen: Mönchsgrasmücke und Misteldrossel.

Vermehrung

Mistelsamen keimen nicht von selbst aus – der Keim kann nicht in Feuchtigkeit aufquellen oder die derbe Fruchthülle der Beeren durchdringen. Sie sind vielmehr darauf angewiesen, dass ein Vogel diese Barriere durchbricht. Vor allem zwei Vogelarten sind dafür Spezialisten: die Misteldrossel und die Mönchsgrasmücke – jede auf ihre Art:

  • Die Misteldrossel frisst in den Wintermonaten die reifen Beeren und scheidet die grünen Mistelembryonen über den Kot unzerstört wieder aus. Die an den Embryonen haftenden klebrigen Reste der Fruchthülle lassen die Embryonen gut auf ästen und Zweigen haften.
  • Die Mönchsgrasmücke ist ein Zugvogel, der im März aus dem Süden nach Europa zurückkehrt. Sie pickt die Beeren, die von den Misteldrosseln noch nicht aufgefressen worden sind, von den Mistelbüschen ab, frisst aber nur die saftige Hülle. Den grünen Embryo klebt sie dabei auf äste und Zweige des Wirtsbaumes, wo sie ganz in der Nähe der Mutterpflanze auskeimen können.

Bei der Wahl ihrer Wirtsbäume sind die Mistelkeime von Nadelhölzern besonders wählerisch: Kiefernmisteln wachsen nur auf Kiefern, Tannenmisteln nur auf Tannen. Laubholzmisteln sind weniger anspruchsvoll. Sie keimen auch auf anderen Gehölzen als die Mutterpflanze.

Der Embryo ist äußerst robust: Er kann den ganzen Winter über auf einem Ast in seiner schleimig-klebrigen Hülle liegen bleiben, bis er – meist im April – austreibt.

 

Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp 

Mistelbeere mit SchneehäubchenSchneekristalle haben sich direkt an der Mistelbeere angelagert – dem Keim in der Mitte der Beere schadet die Kälte nicht.SeidenschwanzSeltener Gast in Europa: Ein Seidenschwanz. Im Februar und März machen sich die Vögel oft in ganzen Schwärmen über die Mistelbeeren her.MisteldrosselMistelbeeren gehören für die Misteldrossel zu den bevorzugten Leckerbissen im Winter. Mit ihrem Kot gelangen die unverdauten Reste und damit der neue Keim auf die Äste des Wirtsbaums.