Auf einen Blick

Misteln sind sehr langsam wachsende Pflanzen. Erst im zweiten Jahr treibt sie zwei kleine Blätter aus, und frühestens nach fünf bis sieben Jahren blüht eine Mistel zum ersten Mal.

Zweihäusig

Die Mistel ist eine zweihäusige Pflanze: Es gibt solche mit
männlichen (Foto rechts) und weiblichen Blütenständen.

Entwicklung

Wenn ein Mistelembryo auskeimt, schiebt er als erstes einen dünnen Stengel vor. Daran entwickelt sich eine Haftscheibe, mit der er sich an der Baumrinde festhält. Aus der Mitte dieser Haftscheibe wächst nun ein Saugrohr (Haustorium) hervor, das sich durch die Baumrinde bis in die Keimschicht (Kambium) schiebt und von dort einen Senker ausbildet. Von nun an nimmt die Mistel Wasser, Mineralien und Nährstoffe über den Senker auf, also indirekt über die Wurzeln des Wirtsbaums.

Wenn der Umfang des Baumstammes im Laufe der Jahre zunimmt, wächst der Senker nach außen mit und wird immer mehr vom Holz des Baumes umschlossen. Dadurch wird sich die Mistel immer tiefer im Stamm verankert, ohne selbst in die Tiefe zu wachsen.

Etwa im Spätsommer hat ein im April ausgekeimter Mistelembryo im Holz des Baumstammes mit seinem Senker festen Halt gefunden. Nun ruht der Keim wiederum bis April des Folgejahres. Erst dann beginnt er, sich aufzurichten und aus der Spitze zwei grüne Blättchen auszutreiben. Anschließend folgt wiederum eine einjährige Ruhepause. Erst vier Jahre nach dem ersten Austreiben wachsen aus der Mitte des Triebes drei neue Stengel: zwei seitlich und einer in der Mitte, jeder mit zwei Blättchen. Von nun an entstehen in jedem Frühjahr neue Stengel und Blättchen, aber immer nur in den Achseln der Vorjahrestriebe. Die zentrale Knospe wird zum Blütenstand.

Die Mistel ist eine zweihäusige Pflanze, das heißt, männliche und weibliche Blüten wachsen getrennt voneinander auf zwei Pflanzen. Misteln blühen erst nach fünf bis sieben Jahren zum ersten Mal, jahreszeitlich allerdings weit vor den meisten anderen Pflanzen: im Winter, zwischen Februar und März. Ihre Blütenstände sondern eine Art Nektar mit orangenähnlichem Duft ab, Fliegen, Bienen, Hummeln, Ameisen und viele andere Insekten anlockt, die für die Bestäubung sorgen. Nach der Befruchtung ruhen die weiblichen Blütenstände bis ungefähr Ende Juni. Dann entwickeln sich langsam die Früchte mit dem innenliegenden grünen Embryo, bis sie zu Advent, Anfang Dezember, reif sind und als weiße Scheinbeeren aufleuchten. Wie beim Menschen dauert es insgesamt neun Monate, bis der Keim ausgereift ist.

 

Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp 

Mistelembryos haben sich an einen Apfelbaumzweig geheftet und ihre "Füßchen" ausgetrieben, mit dem sie sich jetzt in der Rinde des Baumes verankern.Ein zweijähriger Misteltrieb streckt sich nach oben.Genausogut kann er aber nach unten wachsen – entgegen der Schwerkraft.Junge, zweijährige Misteltriebe auf einem Apfelbaum.Reich hat diese Mistel geblüht – viele Beeren schmücken jetzt den Busch.