Auf einen Blick

Wenn in Zellkulturen Zytokine freigesetzt werden, bedeutet das noch nicht, dass diese das Krebswachstum fördern. Vielmehr kommt es auf den Zusammenhang an, in dem der Organismus diese Entzündungsstoffe ausschüttet. Genausogut könnte man behaupten, dass Sport - auch dabei werden Zytokine freigesetzt - das Krebswachstum fördere...

Vermutlich Artefakte

Bei den in Laborversuchen beobachteten Effekten, denen zufolge Mistelextrakt das Tumorwachstum stimulieren kann, handelt es sich vermutlich um Artefakte ohne Relevanz für die Therapie.

Isolierte Mistellektine

Bei den Labortests wurden isolierte Mistellektine eingesetzt, die gar nicht im Handel sind. Auch deshalb entsprechen die Ergebnisse nicht der Wirklichkeit.

Laborversuche zur tumorwachstumsfördernden Wirkung von Mistelextrakt

Bei den Laborversuchen stützen sich die Angaben vor allem auf die Tatsache, dass Mistellektine an isolierten Zellkulturen die Abgabe von speziellen Immun-Botenstoffen (Zytokinen) aus weißen Blutkörperchen fördern können. Solche Zytokine können - das ist bekannt - unter anderem das Tumorwachstum fördern. Folglich, so schlussfolgern die Autoren der Studie, sei Mistelextrakt potentiell schädlich und gefährlich. Diese Konsequenz ist jedoch ebenso falsch und unsinnig:

  • Zytokine sind vielfältig wirksam. Sie können das Tumorwachstum sowohl fördern als auch bremsen, sie können es gänzlich unbeeinflusst lassen oder die Tumorzellen sogar abtöten. Welche Wirkung einsetzt, hängt immer davon ab, in welchem Zusammenhang Zytokine ausgeschüttet werden. Mit gleichem Recht ließe sich aus den Versuchen auch ableiten, dass Mistelextrakt ein Tumorkiller sein kann. Mehr noch: Auch sportliche Betätigung kann die Freisetzung von Zytokinen fördern. Daraus abzuleiten, dass Sport krebsfördernd sei, würde niemandem in den Sinn kommen.
  • Die Laborversuche wurden mit isoliertem Mistelextrakt vorgenommen. Dieser ist als Arzneimittel jedoch gar nicht im Handel. Bei allen zugelassenen Mistelpräparaten handelt es sich um Gesamtextrakte, die auch - aber nicht nur - Lektine enthalten.
  • Weder in anderen Experimenten mit Zellkulturen noch in Wiederholungsversuchen noch in Tierversuchen fand sich ein Hinweis auf eine tumorwachstumsfördernde Wirkung.
  • In keiner einzigen der rund 100 vorliegenden klinischen Studien zur Misteltherapie wurde beobachtet, dass das Tumorwachstum gefördert worden wäre.

Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den beobachteten Effekten um Artefakte handelt.


Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp

Mistelzweig mit BeerenUnterhalb der reifen Mistelbeeren sind bereits die Ansätze der neuen, noch grünen Beeren zu erkennen.Unter dem Mikroskop werden die Zellausstriche genau angeschaut und die Ergebnisse dokumentiert.