Auf einen Blick

Es gibt bislang keinen einzigen Hinweis aus klinischen Studien, dass die Mistel das Tumorwachstum fördern könnte.

Entkräftet

Die Behauptung, eine Misteltherapie könne das Tumorwachstum fördern, ließ sich nicht aufrecht erhalten. Sie konnte zwischenzeitlich sogar widerlegt werden.

Dürftige Quellen

Die Quellen für die viele Patienten verunsichernden Angaben zur tumorwachstumsfördernden Wirkung der Misteltherapie sind äußerst dünn und hielten einer Überprüfung nicht stand.

Kann die Mistel das Tumorwachstum fördern?

Seit einigen Jahren wird davor gewarnt, dass eine Misteltherapie das Tumorwachstum nicht nur nicht bremsen, sondern sogar fördern könne. Vor allem bei Hautkrebs sei Vorsicht geboten, heißt es, weil sich unter einer Misteltherapie angeblich verstärkt Hirnmetastasen bilden. Diese Warnungen beruhen vor allem auf zwei Quellen:

  • auf theoretischen Annahmen, abgeleitet aus Zytokin-Versuchen an Zellkulturen im Reagenzglas sowie aus Tierversuchen an Ratten, die pauschal auf Mistelextrakt und den Menschen übertragen wurden
  • auf einer Studie zur Behandlung von "schwarzem" Hautkrebs (malignes Melanom) mit Interferon, in deren Rahmen ein Teil der Patienten auch mit Mistel behandelt wurde.

Die Behauptung, eine Misteltherapie könne bei Hautkrebs besonders gefährlich sein, weil sie das Wachstum von Hirnmetastasen fördere, hat sich als nicht haltbar erwiesen. Sie geht zurück auf einen kurzen mündlichen Vortrag auf dem Europäischen Krebskongress (ECCO) in Wien im Jahr 1999. Darin hieß es, eine Misteltherapie ergebe beim Melanom keine Vorteile in Bezug auf die Überlebenszeit und das Tumorwachstum, sondern könne im Gegenteil das Wachstum von Hirnmetastasen fördern. 

Referiert wurde damit das Zwischenergebnis einer noch nicht veröffentlichten Studie, publiziert wurde lediglich ein Abstract, also eine kurze Zusammenfassung im Kongressband. Als wissenschaftliche Grundlage ist so ein Abstract untauglich, da niemand die genauen Studienbedingungen nachprüfen kann. Es dauerte dann noch fünf Jahre, bis die komplette Studie in einer Fachzeitschrift erschien - und dort wurde die vormals behauptete Gefahr mit keinem Wort mehr erwähnt. Dennoch wurde in verschiedenen Medien (Fachzeitschriften ebenso wie Publikumszeitschriften und -zeitungen) immer wieder vor den Gefahren einer Misteltherapie gewarnt.

Wie haltlos die Unterstellungen sind, wird noch deutlicher, wenn man sich der Ergebnisse einer Studie zum Einsatz der Misteltherapie bei Hautkrebs näher ansieht. Sie zeigte nämlich, dass die Misteltherapie das Tumorwachstum sogar bremsen kann.


Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp

Mistel mit RegentropfenWie in einem Brennglas spiegelt sich der Mistelbusch in einem Regentropfen, der noch an einem Mistelblatt hängengeblieben ist.TannenmistelNadelbaummisteln - hier eine Tannenmistel - sind filigraner in der Gestalt als Laubbaummisteln.KiefernmistelHoch oben am Stamm einer Kiefer wächst dieser prachtvolle Mistelbusch. Bei Hautkrebs (malignes Melanom) haben sich gerade Mistelextrakte von diesem Wirtsbaum als wirksam erwiesen.