Wirksamkeitsnachweis 

Die hier besprochene Studie kann durchaus Wirksamkeitsnachweis für die Misteltherapie beim fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsenkrebs verstanden werden: 

Tröger W et al: Viscum album (L.) extract therapy in patients with locally advanced or metastatic pancreatic cancer: A randomised clinical trial on overall survival, European Journal of Cancer, 2013 Dec; 49(18):3788-97

Längere Überlebenszeit,
bessere Lebensqualität 

Unter der Misteltherapie hat sich die Überlebenszeit fast verdoppelt. Auch die Lebensqualität hat sich deutlich verbessert, vor allem im Hinblick auf Schmerzen, Fatigue, Appetit- und Schlaflosigkeit. Die Patienten mit Misteltherapie verloren weniger an Gewicht und damit an Kraft – auch das trug vermutlich zum verlängerten Überleben bei. 

Die Studie zur Lebensqualität wurde 2014 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht. Andere Studien aus 2012 hatten bereits ähnliche Ergebnisse erzielt. Das betrifft vor allem den Einsatz von Schmerzmitteln, der in der Mistel-Gruppe deutlich reduziert werden konnte.  

Mistelspritzen in den Tumor hinein

In Tierversuchen hatten sich positive Hinweise darauf ergeben, dass der Mistelextrakt den Tumor in der Bauchspeicheldrüse verkleinern kann, wenn er direkt in die Geschwulst hinein gespritzt wird. Auch an Menschen bestätigte sich, dass die Krankheit damit vorübergehend zum Stillstand gebracht werden kann (zum Beispiel wenn keine Operation möglich war und eine Chemotherapie nicht sinnvoll erschien oder vom Patienten abgelehnt wurde). Es gibt dazu aber noch keine klinischen Studien. Die meisten Erfahrungen dazu liegen am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe vor (Leitender Arzt der Gastroenterologie: Privat-Dozent Dr. Harald Matthes). 

Misteltherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Zum Einsatz der Misteltherapie bei dieser Krebsart gibt es vor allem eine sehr gute Studie, die 2013 im European Journal of Cancer veröffentlicht, aber kaum beachtet wurde:

  • Es handelt sich um eine prospektive, monozentrische, randomisierte Studie, in die zwischen Januar 2009 und Dezember 2010 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs aufgenommen wurden, bei denen keine Operation möglich war und die auch für eine Chemotherapie mit Gemzitabin, dem Standard-Medikamente bei dieser Krankheit, nicht in Frage kamen. Nicht aufgenommen wurden Patienten mit einer Lebenserwartung, die unter vier Wochen lag. 
  • Die eine Gruppe der Patienten erhielt eine Misteltherapie, die andere Gruppe nicht.
  • Die Patienten in der Mistel-Gruppe bekamen das Präparat Iscador Qu, also ein Präparat aus der Eichenmistel, in ansteigender Dosierung von 0,01 Milligramm bis zu 10 Milligramm dreimal in der Woche unter die Haut gespritzt. 
  • Beide Patientengruppen erhielten ansonsten eine unterstützende Behandlung im Sinne einer "best supportive care". 
  • Der primäre Endpunkt für die Studie war das 12-Monats-Überleben. Aufgenommen werden sollten insgesamt 434 Patienten. Als sekundäre Fragestellungen sollte die Lebensqualität untersucht werden sowie die Sicherheit der Therapie. 
  • Eine Zwischenauswertungen nach Aufnahme der Hälfte der angestrebten Patientenzahl zeigte jedoch, dass die Misteltherapie einen so deutlichen Vorteil für das Überleben der Patienten ergab, dass das wissenschaftliche Gutachter-Trio, das die Studie begleitete (darunter der renommierte Krebsforscher und Nobelpreisanwärter Prof. Dr. Volker Diehl), empfahl, die Studie abzubrechen, weil es ethisch nicht mehr zu rechtferigen war, die Mistel den anderen Patienten vorzuenthalten.
  • Denn: In der Mistelgruppe betrug die mediane Überlebenszeit 4,8 Monate gegenüber 2,8 Monate bei den anderen Patienten. Das ist fast das Doppelte! Ein derartiges Ergebnis hat es bisher bei keiner einzigen Chemotherapie gegeben! 
  • Gezeigt hat sich auch, dass die Patienten in der Mistel-Gruppe eine deutlich bessere Lebensqualität aufwiesen, vor allem im Hinblick auf Schmerzen, Fatigue, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit. 
     

Einwände – leicht zu entkräften

Von konventionellen Ärzte wird der Wert und die Aussagekraft dieser Studie massiv angezweifelt. Hier die wichtigsten Einwände und was die Autoren dazu sagen: 

  • Die Studie sei nicht verblindet (Arzt und Patient wissen nicht, wer das Mistelpräparat bekommt und wer nicht) und nicht placebokontrolliert (die Misteltherapie wird mit einem Scheinmedikament verglichen) und deshalb nicht relevant. 
    Es gibt eine Vielzahl von Studien in der konventionellen Onkologie, in denen das zu prüfende Präparat nicht mit einem Placebo verglichen wird und die ebenfalls nicht doppelblind angelegt sind. Die Aussagekraft dieser Studien wurde bisher nicht in Zweifel gezogen. Hinzu kommt, dass eine Misteltherapie anhand der Hautreaktion (Rötung, Schwellung) deutlich erkennbar ist – für den Patienten ebenso wie für den Arzt. Auch wird die Dosis anhand der Hautreaktion eingestellt. Eine solche Reaktion kann nicht einfach und ethisch unbedenklich durch ein Scheinmedikament erzielt werden. 
  • Die Diagnose sei nicht gesichert gewesen, weil es keine Untersuchung von Gewebeproben gegeben habe. 
    Die aktuellen Empfehlungen der Internationalen Studiengruppe zur Pankreas-Chirurgie sehen eine Biopsie zur Diagnosesicherung nur dann vor, wenn ihr Ergebnis behandlungsrelevant ist. Viele Studienpatienten beasßen eindeutige Operations- bzw. wiederholte CT-Befunde, die ein Fortschreiten der Krankheit nachgewiesen hatten. Deshalb war häufig keine Gewebeprobe erforderlich bzw. sinnvoll. 
  • Die Mistel-Patienten seien besser betreut worden, was das Ergebnis verzerre. 
    Relativ zur Überlebenszeit hatten nicht etwa die Mistel-Patienten, sondern die Kontrollgruppe häufigere Kontakte zu den Prüfärzten. Ein Verzerrung zu ihren Gunsten ist deshalb unwahrscheinlich. 

 

Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp

Junge, zwei- bis dreijährige Misteltriebe an einem Apfelbaum.