Die Misteltherapie bei verschiedenen Tumorarten

Die Misteltherapie ist seit vielen Jahren bei verschiedenen Tumorerkrankungen untersucht worden:

sowie bei diversen weiteren Krebsarten.

Schwierige Forschung

Dass es so wenige offiziell anerkannte Studien zur Misteltherapie gibt, liegt daran, dass solche Studien mindestens 20 Millionen Euro kosten. Ohne öffentliche Fördergelder sind sie nicht finanzierbar – denn sämtliche Mistelhersteller sind kleine bis mittelständische Unternehmen, die sich nicht mit Pharma-Konzernen messen können. Öffentliche Fördergelder für die Mistelforschung gibt es in Deutschland kaum.

Zudem weigern sich viele Krebskranke, sich – wie es das Studiendesign erfordert – nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen einteilen zu lassen. Aus einem einfachen Grund: Sie wollen auf die möglichen Vorteile einer Misteltherapie nicht verzichten. 

Die Studienlage zur Misteltherapie

Die Misteltherapie ist unter den unkonventionellen Methoden in der Krebsbehandlung das mit Abstand am besten erforschte Verfahren.

Insgesamt liegen mehrere hundert Studien aus der präklinischen Forschung sowie etwa 130 klinische Studien zum Einsatz von Mistelpräparaten bei verschiedenen Krebsarten vor.

Es gibt mehrere systematische Reviews, die alle bisher vorliegenden klinischen Studien analysieren und bewerten. Das Fazit aus diesen Reviews lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Viele Studien zeigen, dass eine Misteltherapie die Lebensqualität bei Krebs verbessern kann. 
  • Auch kann sie die Nebenwirkungen konventioneller onkologischer Therapien (z. B. Chemotherapie, Bestrahlung) verringern.
  • Gut belegt ist, dass sich ein Tumor unter einer Misteltherapie verkleinern kann; solche "Tumorremissionen" scheinen aber abhängig zu sein von der Dosierung und der Applikationsart (Spritzen in die Haut, in die Vene, in den Tumor hinein oder an dessen Rand), und sie stellen bei der üblichen, niedrig dosierten Misteltherapie eher die Ausnahme dar.
  • Eine Verlängerung der Überlebenszeit unter eine Misteltherapie ist möglich, sie ist aber nicht durch Studien belegt. Viele Studien zeigen allerdings eine Tendenz in diese Richtung. Vermutlich ist dieser Effekt sowohl von der Dosierung als auch von der Wahl des Wirtsbaums sowie von der Dauer der Anwendung abhängig.
  • In keiner Studie ist es vorgekommen, dass eine Misteltherapie das Überleben verkürzt. 

Im wissenschaftlichen Teil dieser Website finden Sie alle zur Misteltherapie vorliegenden Studien und Reviews. 
 

Wirkung und Wirksamkeit sind zweierlei!

Ob ein Arzneimittel eine Krankheit positiv beeinflussen kann, wird daran gemessen, ob es wirkt, und ob es wirksam ist. Die Wirkung bemisst sich daran, ob das Mittel die Körperfunktionen beeinflusst: Es senkt z. B. den Blutdruck, es hemmt ein Enzym, es verlangsamt den Herzschlag, es stimuliert – wie die Mistel – das Immunsystem. Das Instrumentarium dafür ist weitgehend vorgegeben und allgemein anerkannt (Blutdruckmessgerät, Laboranalysen, EKG, Ultraschall, CT, MRT als bildgebende Verfahren u.a.). 

Die Wirksamkeit dagegen beschreibt, ob diese Wirkung den Krankheitsverlauf im erwünschten Sinne therapeutisch beeinflusst. Bei Krebs heißt das: Kann ein Mittel die Krankheitsdauer verkürzen, das Überleben verlängern, das Tumorwachstum bremsen, Metastasen beseitigen, die Lebensqualität verbessern?

Bei der Festlegung der therapeutischen Wirksamkeit orientieren sich die Wissenschaftler heute vor allem an der "evidenzbasierten Medizin" (EBM), deren "Goldstandard" die randomisierte, kontrollierte Studie darstellt. 

 

Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp

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