Auf einen Blick

Lektinol stammt aus Pappelmisteln. Es wird zweimal wöchentlich oder einmal täglich in gleichbleibender Dosierung unter die Haut gespritzt.

Nur palliativ

Lektinol ist nur für die unterstützende (palliative) Behandlung zugelassen. Deshalb übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür nur dann, wenn das Mittel in dieser Krankheitsphase verordnet wird.

Wirtsbaum unwesentlich

Für die Herstellung aller Präparate aus der Phytotherapie werden meist die häufig vorkommenden Pappelmisteln verwendet. Nähere Angaben zu den Wirtsbäumen fehlen, und die Wirtsbaumwahl spielt für diese Therapieform auch keine Rolle.

Im Kühlschrank lagern

Lektinol muss ständig kühl gehalten werden, damit die biologische Aktivität der Mistellektine nicht nachlässt. Das bedeutet, dass schon der Transport aus der Apotheke in einer Kühltasche erfolgen sollte. Zu Hause muss Lektinol im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Immer im Intervall 

Ein Therapiezyklus dauert drei Monate. Dann folgt eine drei- bis vierwöchige Pause, bevor der nächste Therapiezyklus beginnt. Auf diese Weise soll die Mistelbehandlung über fünf Jahre fortgeführt werden.

Lektinol

Ein weiteres der in Deutschland erhältlichen Mistelpräparate stammt aus der Pflanzenheilkunde: Lektinol der Firma Madaus, Köln. Es ist ein Nachfolgepräparate von Plenosol N, das als homöopathischer Mistelextrakt bei Gelenkbeschwerden eingesetzt wird. 

Für die Herstellung werden überwiegend im Januar geerntete Pappelmisteln verwendet (dann sind die Mistelbüschel nicht von Laub verdeckt und können gut geerntet werden). Aus Blättern und jungen Stengeln wird ein wässriger Auszug gewonnen. Um im daraus produzierten Arzneimittel einen stets gleichbleibenden Gehalt an Lektinen zu gewährleisten, werden verschiedene Auszüge miteinander vermischt, bis die erwünschte Konzentration dieses Inhaltsstoffs erreicht ist. Auf diese Weise sind alle Lektinol-Ampullen auf 15 Nanogramm “aktives Mistellektin” normiert, bestimmt als Mistellektin I. Da das Präparat aber ein Gesamtextrakt aus der Mistelpflanze ist, sind auch weiterhin noch andere Inhaltsstoffe enthalten. Es handelt sich nicht um ein Präparat, das ausschließlich Mistellektiin I enthält.

Ein derart auf Mistellektin I normiertes Präparat ist nicht wirksamer als ein nicht normiertes. Ob es zur Behandlung im Einzelfall sinnvoll scheint, einen stets gleichbleibenden Gehalt an Mistellektin gewährleisten zu können, hängt von der individuellen Situation ab. Bei bestimmten Krebsarten kann es ratsam sein, Präparate mit einem besonders hohen Lektingehalt zu geben, oder es ist sinnvoll, dass das Präparat wenig Mistellektin I, dafür viel Mistellektin III enthält (zum Beispiel bei Hautkrebs).

Da die eiweißhaltigen Mistellektine in wässriger Lösung normalerweise nicht lange haltbar sind, wird der Mistelextrakt mit speziellen Zusatzstoffen versehen, die die Mischung stabilisieren. Auch sind dem Präparat weitere Hilfsstoffe zugesetzt, mit denen die Lektine besser in Lösung gehalten werden, weil sie leicht am Glas der Ampulle bzw. im Spritzkanal der Kanüle hängenbleiben (bei den anthroposophischen Präparaten ist das unnötig, weil sich die Inhaltsstoffe im Gesamtextrakt gegenseitig stabilisieren).

Lektinol gibt es nur in einer Wirkstärke. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht. Zu Beginn werden die Lösungen aus der Ampulle mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt, um die Verträglichkeit zu testen. Anschließend wird die Konzentration nach und nach gesteigert, bis der Ampulleninhalt unverdünnt gespritzt werden kann, ohne dass an der Einstichstelle eine übermäßige Rötung (größer als drei bis vier Zentimeter) auftritt. Fällt die Reaktion stärker aus, sollte die Ampullenlösung noch weiter verdünnt werden oder der Arzt ein anderes Mistelpräparat verordnen.

Lektinol wird in aller Regel in gleichbleibender Dosierung zweimal wöchentlich unter die Haut gespritzt. Es ist lediglich darauf zu achten, dass eine möglicherweise auftretende Rötung an der Einstichstelle nicht mehr als drei bis vier Zentimeter im Durchmesser misst. Bleibt diese Reaktion aus, wird das von vielen Ärzten als Zeichen einer besonders guten Verträglichkeit betrachtet. Allerdings ist die Hautrötung ja gerade ein Hinweis darauf, dass der Organismus – und speziell das Immunsystem – reagiert. Geschieht dies nicht, müsste die Dosis eigentlich immer weiter gesteigert werden, bis die Rötung auftritt.

Da Lektinol relativ gering dosiert sind, können dafür dann unvertretbar große Flüssigkeitsmengen nötig sein – wodurch sich die Einsatzmöglichkeiten dieses Präparats selbst begrenzet. Es erlaubt nur eine vergleichsweise geringe Flexibilität bei der Anpassung an die individuellen Gegebenheiten. Es ist zwar leicht, die Dosis durch Verdünnen mit Kochsalzlösung zu verringern, eine Steigerung jedoch ist so gut wie ausgeschlossen: Mehr als 1 Milliliter Flüssigkeit lässt sich kaum gut unter die Haut spritzen, ohne dass große, teilweise schmerzhafte Knubbel entstehen, die nur sehr langsam abgebaut werden.

 

Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp

Baum mit Misteln in der WintersonneIm Winter sind die Mistelbüsche in den kahlen Bäumen besonders gut zu erkennen.